Wandel demokratischer Öffentlichkeiten durch Digitalisierung und Künstliche Intelligenz
Information, Kommunikation und Vertrauen in sich wandelnden digitalen Umgebungen
Alma Kolleck
Erschienen am 31.03.2025
Einleitung: Die Öffentlichkeit – zentral für die Demokratie und unter starkem Veränderungsdruck
Die Öffentlichkeit und ihre Funktionen für die Demokratie
Veränderung der Öffentlichkeit durch Digitalisierung und KI
Mediennutzung in Deutschland
Vertrauen in die Medien
Veränderungen von klassischem Journalismus
Informationsflut und geringe Zahlungsbereitschaft
Die Sonderrolle des öffentlich-rechtlichen Rundfunks (ÖRR)
Entstehung neuer Plattformen und Verbreitungswege
Aufmerksamkeitslogiken der Plattformen
Die Macht der Techkonzerne
Sorge vor ausländischer Einflussnahme
Wahlbeeinflussung
Desinformation
Hass im Netz
Der Empfänger als Sender
Citizen Journalism
Politische Inszenierung
Das gestaltende Publikum
Zusammenfassung
Literatur
Einleitung: Die Öffentlichkeit – zentral für die Demokratie und unter starkem Veränderungsdruck
Wenn ein Studierender der 1970er Jahre mit einer Zeitreise unsere Gegenwart besuchen könnte, so wäre neben vielem anderen (Kleidung, Fahrzeuge, Berufstätigkeit) vermutlich die Mediennutzung und Informationsbeschaffung völlig anders gelagert als ein halbes Jahrhundert zuvor. Stellt man die verfügbaren Daten zur Mediennutzung der Gegenwart mit denen der 1970er Jahre gegenüber, zeigt sich beispielsweise, dass erstens heute deutlich mehr Zeit für Medien aufgewandt wird (so lag die durchschnittliche Medienzeit 1970 bei 3:40 Stunden täglich und 2020 bei 9:27 Stunden; Breunig et al., 2020, S. 414), zweitens zugleich einige Medienformen kaum noch konsumiert werden, während neue Medienkanäle an Bedeutung gewonnen haben (so ist der Anteil derer, die täglich Informationen in Textform aufnehmen stetig gesunken, während die Bedeutung von Bewegtbildformaten stark gestiegen ist; Breunig et al., 2020, S. 417) und dass drittens nicht absehbar ist, dass dieser Wandel zum Halten kommt (so gibt es beispielsweise eine anhaltende Dynamik in der Popularität bestimmter Plattformen, von Facebook über Twitter/X und Instagram hin zu TikTok; Koch, 2022, S. 473).
Dies ist von Bedeutung, weil hinter dieser stark veränderten Mediennutzung und Informationsgewinnung vor allem die Digitalisierung weiter gesellschaftlicher Teilbereiche steckt und diese auch die Struktur und Funktionsweise demokratischer Öffentlichkeiten massiv gewandelt hat. Demokratische Öffentlichkeiten gelten allgemein als wesentliche Transmissionsstruktur – also eine Art Zwei-Wege-Übertragungselement zwischen verschiedenen gesellschaftlichen Teilbereichen (etwa Politik, Wirtschaft, Zivilgesellschaft, um nur einige zu nennen). Öffentlichkeit meint also jene Kommunikationsbereiche, die über den privaten und persönlichen Bereich hinausgehen und die damit für die Allgemeinheit zugänglich und verfügbar sind. Diese Öffentlichkeit wird unter anderem durch Massenmedien wie Rundfunk- und Fernsehsender oder Zeitungen hergestellt. Sie dient dazu, Transparenz in öffentlichen Angelegenheiten (wie politischen Entscheidungen) zu erzeugen und ist damit zentral für die Kontrolle politischer Macht (Schubert & Klein, 2020). In den vergangenen Jahrzehnten hat sich die Anzahl und Struktur der Akteure und Institutionen, die in Deutschland konstitutiv dafür sind, Öffentlichkeit herzustellen und zu gestalten, stark gewandelt. In weiten Teilen des 20. Jahrhunderts galt das Vorhandensein eines durch Presse und Rundfunk, später auch durch das Fernsehen miteinander verknüpften Publikums, das zugleich vereinzelt war und sich als Gemeinschaft begriff, als weitgehend selbstverständlich (Ritzi, 2021, S. 19).
Ausgehend vom Blick zurück auf die vor-digitale Öffentlichkeit zeigt sich ein enormer gesellschaftlicher und technologischer Wandel im Feld der Öffentlichkeit, der mit starken Verschiebungen im Machtgefüge (wer entscheidet darüber, welche Informationen und Meinungen auf welche Art und Weise dargestellt sind und wer diese wann zu sehen bekommt?) sowie in der Mediennutzung (wer konsumiert welche Medieninhalte wann, in welcher Weise, wie häufig und durch wen zusammengestellt?) einhergeht. Im Folgenden geht es in vier Schritten zunächst um eine genauere Bestandaufnahme der Veränderungsprozesse in dem, was wir Öffentlichkeit nennen. Im zweiten Schritt stehen die Veränderungsprozesse im Journalismus im Fokus und damit die Frage, wie die Berichterstattung auf die Chancen und Herausforderungen einer digitalisierten Öffentlichkeit reagiert. Der dritte Schritt widmet sich der Entstehung neuer Plattformen und Verbreitungswege im Prozess der Digitalisierung, die neue mächtige Akteure und eine Verschiebung von Einflussmöglichkeiten mit sich bringen. Im vierten Schritt geht es schließlich um die Empfänger*innen von Informationen und medialen Darstellungen, die ihre genutzten Inhalte stärker selbst kuratieren, also gezielt auswählen sowie teilen und somit selbst zum Sendenden werden können. Abschließend werden wesentliche Entwicklungslinien in der digitalen Transformation der Öffentlichkeit zusammengefasst und ein Ausblick gegeben.
Die Öffentlichkeit und ihre Funktionen für die Demokratie
Der Begriff der hier im Zentrum steht und der in so weitreichenden Transformationsprozessen steckt, die Öffentlichkeit, soll hier verstanden werden als der soziale Raum, in dem Meinungsaustausch, Diskussionen und Argumentationen zu einem Prozess gebündelt werden, aus dem die öffentliche Meinung resultiert. Die öffentliche Meinung meint „ein kollektives Produkt von Kommunikationen, das sich zwischen den Sprechern als ‚herrschende‘ Meinung darstellt“ (Neidhardt, 1994, S. 26). Öffentlichkeit ermöglicht es der Gesellschaft, sich selbst zu beobachten und Bürger*innen in die Gestaltung und Entwicklung der Gesellschaft einzubeziehen. So können Bürger*innen an der politischen Entscheidungsfindung mitwirken, indem sie über Medien vermittelte (also mediatisierte) Inhalte, Interpretationen und Schwerpunktsetzungen mitgestalten. Die Öffentlichkeit ist somit eine zentrale gesellschaftliche Vermittlungsstruktur und eine Grundvoraussetzung für die Demokratie (Jarren & Fischer, 2021, S. 365). Ihre wesentlichen Funktionen bestehen darin, verschiedene Themen und Positionen zusammenzuführen, Bürger*innen ebenso wie politische Entscheidungsträger*innen über aktuelle Debatten und Informationen auf dem Laufenden zu halten und damit Transparenz, Orientierung sowie die Möglichkeit zu Teilhabe und Teilnahme zu eröffnen. Journalismus und Medien spielen eine zentrale Rolle bei der Herstellung und Gestaltung von Öffentlichkeit (Jarren & Fischer, 2021, S. 366; Mast, 2018, S. 23). Sie kanalisieren und kondensieren gesellschaftliche Diskurse, befördern die Meinungs- und Willensbildung sowohl auf Seiten der Bürger*innen, als auch bei Stakeholder*innen und politischen Entscheidungsträger*innen, unterhalten und informieren und fördern als Werbeträger auch wirtschaftliche Transaktionen. Aufgrund dieser zentralen Funktionen für moderne Demokratien werden Medien häufig als „vierte Gewalt“ bezeichnet, die gleichberechtigt neben den anderen drei Gewalten Legislative, Exekutive und Judikative steht (Mast, 2018, S. 23–26).
Die Öffentlichkeit als Sphäre, in der gesellschaftlich relevante Informationen, Interpretationen und Interessen geteilt und verhandelt werden, hat sich durch die Digitalisierung drastisch geändert und ein Ende dieses Wandels ist derzeit nicht absehbar. Augenfällig sind zunächst die Machtverschiebungen, die die bislang einflussreichen Massenmedien in Presse und Rundfunk in eine tiefe Krise gestürzt haben, „in der öffentlich-rechtliche und Qualitätsmedien ihre Rolle als Gatekeeper politischer Information zumindest teilweise eingebüßt“ haben (Knüpfer et al., 2020, S. 89). Parallel zu den traditionellen Massenmedien haben sich seit den 1990er Jahren sukzessive völlig neue kommunikative Infrastrukturen entwickelt, die nach anderen Regeln funktionieren und in Konkurrenz zu bisherigen Logiken und Funktionsweisen von Nachrichtenverbreitung treten. Zu diesen alternativen Kommunikationsstrukturen zählen zuvorderst Online-Medien und soziale Netzwerke, die sich zu wesentlichen Akteuren in demokratischen Öffentlichkeiten in Deutschland und anderen Ländern entwickelt haben (Andree, 2023).
Veränderung der Öffentlichkeit durch Digitalisierung und KI
Charakteristisch für die digital vernetzte öffentliche Kommunikation sind erstens der Wegfall einer zentralen Kommunikationsarena im Sinne eines zentralen Knotens im Geflecht der Kommunikationskanäle (eine Rolle, wie sie lange Zeit etwa die öffentlich-rechtlichen Medien mit Formaten wie der Tagesschau oder private Publikationsorgane wie etwa der Spiegel innehatten). An die Stelle dieser zentralen Kommunikationsarena sind vielfältige, teils parallel vorhandene Teilarenen getreten, deren Inhalte sich oft gar nicht überschneiden bzw. die sich teils stark voneinander unterscheidende Interpretationen der Realität abbilden (Knüpfer et al., 2020, S. 88–89). Zweitens hat sich die Richtung der Kommunikationsflüsse innerhalb von wenigen Jahrzehnten stark gewandelt. So waren Mediennutzende zunächst vor allem Rezipienten, die Informationen aufnahmen, allerdings wenig zu ihrer Verbreitung beitrugen. Dies hat sich radikal gewandelt und damit sind wir beim dritten Element eines fundamentalen Wandels, der im Folgenden noch genauer ausgeführt wird und der im Aufkommen eines co-produzierenden Publikums besteht, das durch das Teilen und Erstellen, Empfehlen, Kommentieren und Kritisieren von Beiträgen in Erscheinung tritt. Durch diese Rolle als Kurator, Autor und Multiplikator haben Mediennutzende mehr Möglichkeit, die wahrgenommenen Nachrichten anhand der jeweils eigenen thematischen Interessen zu gestalten. Somit nimmt das Publikum nunmehr auch Einfluss auf die Gestaltung der Medienöffentlichkeit, da es aktiv auf Informationsflüsse einwirkt (Knüpfer et al., 2020, S. 88–89). Damit einhergehend haben sich viertens öffentliche Diskussionen, Foren und Rituale zunehmend gegenüber nicht professionellen Teilnehmenden und Sichtweisen geöffnet (etwa in Form von Hörerfragen im Radio, dem Aufgreifen direkter Zuschauerreaktionen in Sendungen oder Abstimmungen bei Onlinemedien). Dies geht in der Folge mit einer Entprofessionalisierung und einer gesteigerten Inklusivität einher, also einer Öffnung eines Raums, der bis dato mehrheitlich durch hauptberuflich Berichterstattende gestaltet wurde, hin zu den Perspektiven, Inhalten und Wünschen des Publikums, das damit zeitweise vom Zuschauerraum auf die Bühne tritt. Fünftens resultieren die Machtverschiebungen in der öffentlichen Sphäre auch in eingeschränkten Handlungsmöglichkeiten des Staates (bis hin zur Ohnmacht) bei der Regulierung kommunikativer Inhalte. Dies gilt nicht nur, aber in besonderem Maße bei internationalen Medienorganisationen bzw. Plattformen wie TikTok, Facebook, X, Instagram und anderen, die sich bislang nur teilweise durch deutsche bzw. europäische Gesetzgebung einhegen lassen (Jarren, 2024). Diese neuen Formen digitaler Vernetzung haben neue Formen politischer Teilhabe und Mobilisierung ermöglicht, und bislang wenig in der Öffentlichkeit wahrgenommene Sachverhalte (wie etwa Schlagabtausche im Bundestag oder Äußerungen von Politiker*innen in kleinerer Runde) zu einem neuen Publikum als „Social-Media-Schnipsel“ verholfen.
Mediennutzung in Deutschland
Was wissen wir über die Mediennutzung in Deutschland? Insgesamt verbringen die Menschen in Deutschland täglich etwa 412 Minuten bei der Nutzung von Medien, über sechs Stunden pro Tag, wobei die Nutzung häufig „nebenbei“ erfolgt, also etwa bei zurückzulegenden Wegen im Auto, im ÖPNV oder zu Fuß oder parallel zu anderen Tätigkeiten in der Wohnumgebung. 98% der Menschen nutzen täglich Medien, wobei Bewegtbild (Fernsehen, Videostreaming) das bevorzugte Format ist, gefolgt von Audioinhalten (Radio, Podcasts) und das Lesen von Texten nur einen Bruchteil (rund 15%) der Mediennutzungszeit einnimmt (Kupferschmitt & Müller, 2023). Das lineare Fernsehen ist noch das beliebteste Medium, so schauen zwei Drittel der Bevölkerung jeden Tag lineares Fernsehen, jeweils ein Viertel der Bevölkerung streamt bei Netflix und ähnlichen Anbietern oder schaut Videos auf Social Media wie YouTube. Der Anteil der Streamingnutzung ist bei den Jüngeren deutlich höher als bei den Älteren und die Beliebtheit des linearen Fernsehen sinkt tendenziell über alle Altersgruppen hinweg (Kupferschmitt & Müller, 2023). Digitale Medien werden insbesondere von Jüngeren intensiv und mobil genutzt: So nutzen 98% aller 14-29-Jährigen täglich das Internet und für 96% dieser Altersgruppe ist das am intensivsten genutzte Gerät das Smartphone (ARD & ZDF, 2023, S. 51, 56).
In der Bewertung der Angebote des öffentlich-rechtlichen Rundfunks (ÖRR) spiegelt sich die Unterschiedlichkeit der befragten Altersgruppen gleichwohl nicht wider. So geben 99% aller Befragten an, die Angebote des ÖRR wenigstens gelegentlich zu nutzen und zwei Drittel (67%) geben an, dass der ÖRR „wichtig für die politische Meinungsbildung“ ist (Rühle, 2024, S. 2). Dem öffentlich-rechtlichen Rundfunk wird im Vergleich mit anderen Anbietern insgesamt die größte gesellschaftliche Relevanz, Glaubwürdigkeit und Unabhängigkeit zugeschrieben (Rühle, 2024, S. 1). Passend dazu sind die am häufigsten genutzten die Nachrichtenangebote von der ARD und ZDF (gefolgt von RTL), die 40% (ARD) bzw. 31% (ZDF) der Menschen mindestens einmal pro Woche nutzen (Newman et al., 2024, S. 83). Beiden Medienhäusern wird großes Vertrauen entgegengebracht (64% der Tagesschau der ARD und 62% dem heute-Magazin des ZDF) und damit deutlich mehr als fast allen anderen Medien mit Ausnahme der regionalen bzw. lokalen Zeitungen, denen 63% vertrauen. Am wenigsten Vertrauen wird umgekehrt der BILD-Zeitung entgegengebracht, der lediglich 22% vertrauen (und 57% misstrauen), was sich jedoch auf die Verkaufs- und Abonnentenzahlen (auch online) offenbar nicht negativ auswirkt (Newman et al., 2024, S. 82–83).
Diese Daten illustrieren, dass die Nutzung der Inhalte etablierter Medienhäuser und des öffentlich-rechtlichen Rundfunks weiterhin einen großen Anteil der Mediennutzung der Menschen in Deutschland ausmacht, zugleich aber andere Kanäle hinzugekommen sind, über die diese Inhalte rezipiert werden, nämlich Plattformen wie Instagram, TikTok, YouTube u.a. So werden Social Media von 60% der Deutschen mindestens einmal wöchentlich, von 31% täglich genutzt. Die beliebtesten Plattformen sind über alle Altersgruppen hinweg sind Instagram, Facebook und TikTok (Müller, 2024, S. 3).
Vertrauen in die Medien
Blickt man auf das Vertrauen, das die Bürger*innen Medien entgegenbringen, zeigt sich keine generelle Vertrauenskrise. So gaben jüngst 44% der Befragten in der Mainzer Langzeitstudie zum Medienvertrauen an, dass sie den Medien eher bzw. voll und ganz vertrauen, wenn es um „wirklich wichtige Dinge geht – etwa Umweltprobleme, Gesundheitsgefahren und politische Skandale“ – deutlich mehr als noch 2008, als nur 29% dieser Aussage zustimmten. Zugleich ist jedoch auch der Anteil derjenigen, die den Medien eher nicht bzw. gar nicht vertrauen, im genannten Zeitraum deutlich gewachsen, von 9% (2008) auf 25% (2023). Dies lässt sich als Ausdruck einer gesellschaftlichen Polarisierung lesen, in der Medienvertrauen bzw. Medienskepsis Teil der eigenen Weltanschauung und Identität ist und damit auch soziale Gruppen konstituiert bzw. charakterisiert (Jackob et al., 2023, S. 135). Diese in Teilen der Gesellschaft verbreitete ablehnende Haltung gegenüber Medienberichterstattung drückt€ sich auch in tätlichen Angriffen auf Journalist*innen etwa im Kontext der Corona-Proteste aus oder in dem Versuch autoritärer Parteien wie der AfD, kritische Presseberichterstattung zu unterbinden. Oft werden solche Angriffe genährt von einem Blick auf etablierte Medien als „Lügen-“ oder „Systempresse“, die die tatsächlichen Gegebenheiten verschweigt und beschönigt zugunsten einer durch die Regierung oder mächtige Eliten gewünschten Darstellung. Entgegen dieser Darstellung als gesteuerte und zensierte Berichterstattung belegte Deutschland 2024 in der weltweiten Liste der Presse- und Meinungsfreiheit der Organisation „Reporter ohne Grenzen“ den 10. Platz, die Lage in Deutschland gilt damit als „gut“ (Reporter ohne Grenzen, 2024).
Lässt sich mit Blick auf das Journalist*innen entgegengebrachte Vertrauen eine ambivalente Bilanz ziehen, herrscht gegenüber der Verwendung von KI im Journalismus bei deutschen Mediennutzer*innen mehrheitlich Skepsis vor. So hält es lediglich ein Drittel der von Newman et al. (2024, S. 82) Befragten für akzeptabel, wenn Journalist*innen in der Berichterstattung die Unterstützung einer KI nutzen und nur eine Minderheit von 14% könnte sich vorstellen, vor allem KI-generierte Nachrichten zu nutzen.
Zusammenfassend zeigen sich starke Veränderungen in der Mediennutzung, die diverser, digitaler und individualisierter wird. Etablierte Medien haben ihre Gatekeeperfunktion weitgehend eingebüßt, genießen aber in der bundesdeutschen Medienlandschaft weiterhin das größte Vertrauen. Die veränderten Nutzungsweisen und die steigende Bedeutung von Plattformen als neuen intermediären Akteuren (wie soziale Medien) stellen Medienschaffende vor neue Herausforderungen.
Veränderungen von klassischem Journalismus
Da sich die durch die Digitalisierung angestoßenen Transformationen der Öffentlichkeit schleichend vollziehen, sind es oft einzelne Ereignisse, die die Veränderungen sichtbar machen. Ein Beispiel für die Veränderungen in der Berichterstattung durch die zunehmende Verfügbarkeit von privaten Handy-Aufnahmen führten auf tragische Weise die Tsunamis vor Augen, die an Weihnachten 2004 Verheerungen an verschiedenen Küstenabschnitten des Indischen Ozeans anrichteten und hunderttausende Menschen das Leben kosteten. Von dieser bildgewaltigen Katastrophe fanden zahlreiche Aufnahmen von westlichen Urlauber*innen ihren Weg in die mediale Berichterstattung. Damit wurden die Betroffenen gleichsam zu Berichterstatter*innen des Unglücks, die die Abwesenheit von Journalist*innen vor Ort mit eigenen Aufnahmen und Berichten füllten (Thorsen, 2020, S. 44).
Ähnlich verdichtet führte das Konklave 2013 mit der Wahl von Papst Franziskus zum neuen geistlichen Oberhaupt der römisch-katholischen Kirche die medial-technologischen Verschiebungen vor Augen. Standen die gespannt wartenden Gläubigen acht Jahre zuvor bei der Wahl Papst Benedikt XVI. lediglich vom Schein der Straßenlaternen erleuchtet um den Vatikan, versank die Menge bei der Wahl von Franziskus in einem Lichtermeer aus leuchtenden Smartphone-Displays, die den aufsteigenden weißen Rauch als Zeichen der erfolgreichen Wahl fotografisch dokumentierten. Diese beiden Beispiele können als Ausgangspunkt dienen, um zu illustrieren, wie der technologische und mediale Wandel auch die Berichterstattung verändert: War es zuvor zeit- und ressourcenintensiv, Informationen und Bilder aus anderen Teilen der Welt zu erhalten, sind Meldungen auf einer Vielzahl von Plattformen, öffentlicher sowie eher privater Natur inzwischen in Echtzeit von praktisch jedem Winkel der Erde zu empfangen.
Informationsflut und geringe Zahlungsbereitschaft
Anstelle der Schwierigkeit, überhaupt Informationen von weit entfernten Orten zu erhalten, tritt nun die Schwierigkeit, die unübersichtliche Menge an verfügbaren Informationen auf relevante und glaubhafte Inhalte zu filtern. Hinzu kommt der Zeitdruck, da verschiedene Medien in Konkurrenz zueinanderstehen, möglichst schnell über Neuigkeiten zu berichten. „Weiterhin ist in diesem Zuge von einer (drastischen) Beschleunigung politisch-medialer Interaktionen zu sprechen; im Zeitalter von ‚permanently online – permanently connected‘ erscheinen Reaktionszeiten deutlich verkürzt, muss umfassende Kommunikation immer schneller und auf multiplen Kanälen erfolgen und verlieren in der Interaktion mit journalistischen Medien tradierte Normen (wie etwa der feste Redaktionsschluss, nach dem sich eigene kommunikative Arbeit planen ließ) zunehmend an Bedeutung“ (Kocks, 2024a, S. 65). Die Konkurrenz mit anderen Medien um die schnellste Nachricht ebenso wie um attraktive Werbekunden hat sich globalisiert, die Anzahl der potenziell berichtenswerten Inhalte hat sich vervielfältigt und der Zeitdruck ist immens gestiegen – all dies verdichtet sich zu grundlegend veränderten Arbeitsrealitäten für Journalist*innen: „Journalismus als Beruf ist nach langen Jahrzehnten verhältnismäßiger Stabilität nunmehr in heftige Turbulenzen geraten, die die Medienlandschaft grundlegend verändern. Volatile Werbemärkte, ein Publikum, das ständig unsteter und verwöhnter wird, und immer neue technische oder wirtschaftspolitische Rahmenbedingungen sind nur Stichworte für den Wandel“(Mast, 2018, S. 13).
Während journalistische Medieninhalte weiterhin breit und intensiv genutzt werden, ist die Zahlungsbereitschaft des Publikums in den letzten Jahren stark gesunken, was allgemein mit einer Gewöhnung an kostenfrei verfügbare Berichterstattung im Internet erklärt wird (Buschmann et al., 2021). In Befragungen geben lediglich 13% der Deutschen an, für Online-Nachrichten zu bezahlen (Newman et al., 2024, S. 82). Für viele Medienhäuser stellen daher weiterhin die Printprodukte die wesentliche Einnahmequelle und somit die Finanzierungsgarantie dar (Osing, 2022, S. 242). Eine weitere Herausforderung für die Finanzierung journalistischer Berichte liegt neben der geringen Zahlungsbereitschaft auch darin, dass der Anzeigenmarkt weitgehend eingebrochen ist. So sind die verfügbaren Werberäume und Werbezeiten für Anzeigenkunden durch die Digitalisierung sehr stark gestiegen und damit die Werbepreise insgesamt deutlich gesunken. Zudem machen die großen Internetkonzerne wie Google/Alphabet und Facebook/Meta und andere branchenferne Akteure die größten Gewinne im Anzeigenmarkt, ohne umgekehrt in die teure Produktion journalistischer Inhalte zu investieren (Buschow & Wellbrock, 2020, S. 12)
Die Sonderrolle des öffentlich-rechtlichen Rundfunks (ÖRR)
Eine Sonderrolle nimmt in diesem Veränderungsprozess der öffentlich-rechtliche Rundfunk ein, da er sich (in Deutschland) über eine festgelegte, haushaltsbezogene Abgabe finanziert und daher weniger stark unter direktem Finanzierungsdruck steht als unternehmerisch agierende Medienhäuser. Zum öffentlich-rechtlichen Rundfunk gehören in Deutschland ARD, ZDF und die Landesmedienanstalten (z.B. rbb, NDR, WDR) sowie das Deutschlandradio. Der öffentlich-rechtliche Rundfunk (ÖRR) erreicht einerseits in Deutschland die höchsten großes Vertrauenswerte aller Medien (Sehl, 2024), steht aber zugleich auch in der Kritik, weil ihm eine zu große Nähe zur Politik (die wesentlich in die Finanzierung und in Teilen auch in die Steuerung der Sendeanstalten miteingebunden ist) vorgeworfen wird (Karidi, 2018). Zugleich wird am ÖRR bemängelt, dass er in seiner Programmgestaltung veraltet sei, sich zu wenig neueren Formaten öffne und die falschen Prioritäten (u.a. bei der Verwaltung seiner finanziellen Mittel von etwa 8 Mrd. jährlich) setze. Skandale um hochbezahlte Chefetagen wie im Fall der rbb-Intendantin Patricia Schlesinger geben dem Vorwurf Nahrung, beim ÖRR würden die Zahlungen der Beitragszahler zur persönlichen Bereicherung genutzt. Auch dass die Bürger*innen einen Beitrag leisten müssen, unabhängig davon, ob sie die Angebote des ÖRR nutzen oder nicht, steht vielfach in der Kritik (Beck & Prinz, 2023). Insbesondere populistische und rechtsnationale Bewegungen haben sich europaweit in vielen Fällen zum zentralen Sprachrohr der Kritik am ÖRR gemacht, etwa im Fall der AfD in Deutschland, der Schwedendemokraten, ex-Premierminister Boris Johnson im Vereinigten Königreich oder die italienische Regierungschefin Giorgia Meloni und ihre Partei Fratelli d’Italia. Ein Motiv solcher populistischer Kritik mag auch darin liegen, durch eine Delegitimierung des ÖRR dessen kritische Beobachtung und Berichterstattung zu unterbinden (Holtz-Bacha, 2024).
Als Antwort auf die vielfältige Kritik wird dem öffentlich-rechtlichen Rundfunk vielfach empfohlen, sich strukturell zu reformieren, stärker digitale Angebote auszubauen sowie sich innovativer zu zeigen, um den Ansprüchen der Mediennutzenden stärker zu entsprechen (Heidbrink et al., 2023). Ähnliche Empfehlungen finden sich auch für den Journalismus allgemein. So formuliert Mast (2018, S. 553–564) zugespitzt: Der Journalismus habe weiterhin eine große gesellschaftliche Notwendigkeit, müsse sich aber drastisch an die veränderten Bedingungen von Nachrichtenrezeption und Öffentlichkeit anpassen, um im Wandel zu bestehen. Im Bereich der Digitalisierung können mögliche Strategien darin liegen, immersivere Beiträge zu gestalten (die eine stärkere Interaktion mit den Inhalten, also ein regelrechtes „Eintauchen“ ermöglichen), Streaming (mit Interaktion mit den Nutzenden) und On-Demand-Angebote auszubauen sowie eine stärkere Spezialisierung auf die verschiedenen Nutzergruppen und ihre jeweiligen Interessen zu realisieren, um möglichst passgenaue Inhalte anzubieten (Meier et al., 2024, S. 45–50). Bei dieser Anpassung an ein immer differenzierter zu gruppierendes Publikum kann auch Künstliche Intelligenz eine wichtige Rolle spielen. So kann die automatisierte Ausspielung von Produkte und die permanente Auswertung von Nutzungsdaten dazu beitragen, journalistische Beiträge zu optimieren und zu verbreiten – sowohl für ein Massenpublikum als auch unter Berücksichtigung individueller Interessen (Meier et al., 2024, S. 63).
Künstliche Intelligenz spielt auch eine Rolle bei der zunehmend arbeitsintensiven Notwendigkeit, Inhalte und Nachrichten auf ihre Richtigkeit zu überprüfen. Dafür sind nicht zuletzt durch KI-generierte Inhalte wie (Bewegt-)Bilder und Audiodateien (häufig als Deepfakes bezeichnet, innerwissenschaftlich auch als synthetische Medien), aber auch Bots (also Computerprogramme, die beispielsweise Nachrichten verbreiten oder in Kommentarspalten von Onlinemedien in Erscheinung treten) zunehmend neue technisch-digitale Kompetenzen auf Seiten der Journalist*innen nötig, um etwa ein KI-generiertes Bild von einem authentischen Inhalt zu unterscheiden (Wolf, 2024). Zugleich eröffnen auf künstlicher Intelligenz basierende Anwendungen dem Journalismus in vielfacher Hinsicht vereinfachte und verbesserte Abläufe, etwa bei der Archivierung von Inhalten, Erschließung großer Datenmengen, bei der Recherche und, wie oben genannt, bei der zielgenauen Ansprache möglicher Kund*innen (Elmer, 2022; Ratering, 2022; Schützeneder et al., 2024).
Entstehung neuer Plattformen und Verbreitungswege
Die Veränderungen in der Nutzung von Medien und die daraus resultierende Notwendigkeit für Medienschaffende, sich an die neuen Verhältnisse anzupassen, machen deutlich, dass die Machtstrukturen in demokratischen Öffentlichkeiten weltweit und in Deutschland in einem Veränderungsprozess begriffen sind. Verfügten die publizistischen Medien bis zur Etablierung von Plattformen über ein „Vermittlungsmonopol“ (Jarren & Fischer, 2021, S. 369), ist dieses im Schwinden begriffen. Über weite Teile des 20. Jahrhunderts fungierten die traditionellen berichterstattenden Medien als Flaschenhals (oder eben „Gatekeeper“), den unbekannte Akteure zunächst überwinden mussten, um die eigenen Positionen und Forderungen gesellschaftlich bekannt zu machen. Eine alte und neue Kritik an den etablierten Medienstrukturen setzt an genau dieser Entscheidungsmacht an und fragt, welche (elite-)kritischen Standpunkte gesellschaftliche Relevanz erlangen können bzw. konnten und welche strukturell benachteiligt werden. Ein Versprechen der neuen Plattformen und sozialen Medien liegt darin, dieses Ungleichgewicht zu verändern und Öffentlichkeit zugänglicher zu machen: „Die Etablierung von Plattformen verändert die Struktur der Öffentlichkeit; dies hat Auswirkungen auf Akteure, Angebot und Inhalte – mit Folgen für das gesellschaftliche Vermittlungssystem und die Demokratie“ (Jarren & Fischer, 2021, S. 373).
Aufmerksamkeitslogiken der Plattformen
Die Veränderungsprozesse, die durch die Digitalisierung in einem ersten Schritt und die Plattformisierung in einem zweiten angestoßen sind, sind in vollem Gange und noch ist nicht absehbar, wie schnell und wohin sie sich entwickeln werden. Zu den Plattformen zählen neben Suchmaschinen und Videoplattformen auch soziale Medien, also all solche digitalen Dienste, die Interaktionen zwischen verschiedenen Nutzenden ermöglichen und die durch technikzentrierte Akteure/Unternehmen entwickelt und betrieben werden. Die im Hintergrund stehenden Unternehmen verstehen sich nicht als berichterstattende Medien und sehen sich deshalb auch nicht an journalistische Standards und Leitlinien gebunden. Anstelle der vorherigen, meist national organisierten Medienmonopole tritt nun „eine historisch singuläre infrastrukturelle Dominanz weniger weltweit agierender IT-Konzerne“ (Schrape, 2022, S. 119). Die Bereitsteller von Plattformen sind weder Produzenten von Nachrichten bzw. journalistischen Inhalten, noch sind sie neutrale Mittler von journalistischer Berichterstattung, sondern vielmehr Netzwerke, die Inhalte Dritter sammeln, auswählen und bereitstellen. Die besondere Leistung der Plattformen besteht zum einen in der Bündelung der Inhalte und zum anderen darin, dass diese auf neue Weise verknüpft und eingebettet werden (z.B. durch Likes, Kommentare, Shares). Damit ermöglichen sie eine Bereitstellung von Inhalten, die sich an den (vermeintlichen) Interessen des individuellen Nutzenden ausrichtet und die somit in einer diversifizierten und individualisierten Mediennutzung resultiert. Auch wenn Plattformen also selbst keine Informationsleistungen erbringen, beeinflussen sie durch die Gestaltung ihrer Benutzeroberflächen sowie der dahinter liegenden Algorithmen wesentlich, welche Inhalte wie häufig von Nutzenden wahrgenommen werden, wie die Inhalte eingebettet sind und inwiefern Nutzende mit diesen interagieren können, z.B. durch Bereitstellung von Links, oder die Möglichkeit zur Kommentierung oder Bewertung (Jarren & Fischer, 2021, S. 373). Auf diese Weise wirken sie auch auf die berichterstattenden Medien ein, die sich – um mit ihren Beiträgen auf den Plattformen stattfinden zu können – an die Logiken der Plattformen anpassen und dabei nicht nur ihre Arbeitsregeln und Arbeitsformen verändern, sondern auch ihre Inhalte „plattformgerecht“ gestalten. So sind kurzfristig wirksame Aufmerksamkeitseffekte bei Nachrichteninhalten von Vorteil, die die Aufmerksamkeit auf sich ziehen, eine unmittelbare Reaktion (z.B. durch Likes oder Teilen) inspirieren und Folgekommunikation befördern. Erfolg haben Inhalte oft durch eine Personalisierung, also die Fokussierung auf die konkret handelnden bzw. betroffenen Personen, sowie durch eine Emotionalisierung, also eine Gestaltung die unmittelbare Gefühlsreaktionen beim Rezipienten hervorruft (etwa Angst, Abscheu oder Mitleid) – mit den entsprechenden, teils problematischen Folgen (Jarren & Fischer, 2021, S. 373).
Die Macht der Techkonzerne
Durch die wachsende ökonomische Macht der Technologieunternehmen, die die Plattformen betreiben, erhalten sie die Macht, ganze Informationslandschaften in ihrem Sinne mitzugestalten (dies wird als media environment capture bezeichnet). Je stärker Journalismus von der „Transferleistung“ der Techfirmen abhängt, desto größer ist ihr Einfluss auf die Inhalte und die sozialen, kulturellen, rechtlichen und politischen Hintergrundbedingungen von Journalismus: Die Technologiekonzerne „bringen nicht nur die journalistischen Medien – und damit die klassischen Ideologieproduzent:innen moderner, demokratischer Gesellschaften – in eine Abhängigkeit von ihren Produkten und Dienstleistungen, sondern wirken auch vorgelagert in die kommunikativen Tätigkeiten der Gesellschaft hinein“ (Theine et al., 2023, S. 27).
Die große Macht der Techkonzernen (konkret sind fünf Konzerne besonders groß und einflussreich, Alphabet (Google), Amazon, Meta (Facebook), Apple und Microsoft),wird sowohl von weiten Teilen der Wissenschaft, als auch von weiten Teilen der Bevölkerung skeptisch gesehen: So stimmen 82% der von Andree (2023, S. 243) repräsentativ Befragten zu, dass „Digitalkonzerne wie Google oder Facebook […] zu großen politischen und wirtschaftlichen Einfluss erlangt“ haben und dass es nicht in Ordnung ist, „dass immer mehr digitale Monopole existieren, ohne dass Wettbewerber eine Chance haben“. Die europäische Union ist mit einer Reihe von Gesetzen und Verordnungen bestrebt, auf die Plattformen einzuwirken und Nutzende vor illegalen Inhalten zu schützen (Gesetz über digitale Dienste, Digital Service Act), den Wettbewerb im Netz fair zu gestalten (Gesetz über digitale Märkte, Digital Markets Act) sowie den Einsatz von Künstlicher Intelligenz je nach Sicherheitsrelevanz zu regulieren (KI-Verordnung, AI-Act; Jarren, 2024). Gleichzeitig zeigen die hohen Lobbying-Ausgaben der Digitalunternehmen insbesondere auf europäischer Ebene, dass die Plattformbetreiber ihre Finanzstärke unter anderem dazu nutzen, ihre Interessen auf politischer Ebene zu platzieren. So ist in der EU die Technologiebranche der Sektor mit den höchsten Ausgaben für politisches Lobbying mit einem Budget von fast 100 Millionen Euro jährlich (Theine et al., 2023, S. 28).
Sorge vor ausländischer Einflussnahme
Ein Beispiel für eine vergleichsweise junge und erfolgreiche Plattform, die sich insbesondere bei den jüngeren Mediennutzenden großer Beliebtheit erfreut, ist TikTok. TikTok vereint viele Merkmale aktuell beliebter digitaler Plattformen in sich und ist ein besonders bei jungen Menschen beliebtes Medium, das zunehmend auch stärker von den älteren Generationen genutzt wird (Ackermann, 2021). Es basiert auf einem lernenden Algorithmus, dessen genaue Funktionsprinzipien weitgehend unbekannt sind (Otto, 2023) und der die Inhalte individuell kuratiert und ausspielt. Die Inhalte auf TikTok sind ähnlich wie bei X leicht konsumierbar und setzen ähnlich wie bei Instagram oder Youtube stark auf eine bildbasierte Kommunikation. Analog zu anderen sozialen Medien bilden sich gesellschaftliche Diskriminierungen, Abwertungen und Hassbotschaften auch in TikTok ab, etwa wenn Videos mit Menschen mit Behinderungen weniger häufig ausgespielt werden und umgekehrt menschenverachtende und emotionalisierende Inhalte von Rechtsaußenparteien wie der AfD besonders häufig ausgespielt werden, so dass Diskriminierungen potenziell verstärkt und Diffamierungen belohnt werden (Bösch & Köver, 2021; Otto, 2023). Anders als andere Plattformen und soziale Medien gehört TikTok allerdings keinem US-amerikanischen, sondern einem chinesischen Unternehmen namens ByteDance. Dies hat in den USA, Deutschland und anderen Staaten Sorgen vor einer Beeinflussung der eigenen Bevölkerung durch verdeckte chinesische Interessen sowie vor dem Abfluss potenziell sensibler Daten bis hin zur staatlichen Spionage geweckt, die in Initiativen für ein Verbot der Plattform mündeten (Brandão, 2023). Hierin spiegelt sich zum einen der globale Wettkampf um die Vorherrschaft in international genutzten digitalen Diensten sowie zum anderen die Wichtigkeit kumulierter Nutzungsdaten und der damit verbundenen Beeinflussungsmöglichkeiten von Nutzenden.
Plattformen als Medien extremer Akteure
Am Beispiel von TikTok zeigen sich beispielhaft viele der kritischen Debatten, die im Kontext von Plattformen in der Wissenschaft sowie in der Öffentlichkeit geführt werden. Dazu gehören neben der bereits thematisierten Intransparenz (über den Zugriff auf die Daten der Nutzenden sowie deren weitere Verwendung, über den Einfluss der chinesischen Regierung auf das Betreiberunternehmen sowie über die Funktionsweise des Algorithmus) auch Befürchtungen über die Verbreitung von Hass, Desinformation und die Nutzung solcher Plattformen durch extreme politische Akteure. So kam im Rahmen des Wahlkampfs zum Europäischen Parlament im Frühling 2024 eine Diskussion darüber auf, inwiefern extrem rechte Parteien wie die Alternative für Deutschland (AfD) ihre Wahlerfolge insbesondere auch bei jüngeren Wählern ihrer breit rezipierten Social-Media-Kampagne zu verdanken hatten. Diese Debatte blieb zwar ohne eindeutige Antwort, wiederholte sich allerdings in ähnlicher Form zur Bundestagswahl 2025, bei der die AfD zweitstärkste Kraft wurde. Tatsächlich hat die AfD soziale Medien wie TikTok und X früh und intensiv zur Verbreitung ihrer Inhalte genutzt und dabei geschickt die auf der jeweiligen Plattform erfolgsversprechenden Strategien genutzt (Classen et al., 2024). Generell hat das Internet „erheblich zur Modernisierung und Verjüngung der rechtsextremen Bewegung beigetragen“ (Jukschat, 2022, S. 198). Alle Bereiche und Facetten rechtsextremer Kommunikation und Mitgliederwerbung finden inzwischen (auch) digital statt, von Online-Zeitungen, Blogs, Foren, Webseiten, offenen und geschlossenen Gruppen und Kommunikationskanälen auf den verschiedenen Social-Media-Kanälen und Messengern bis hin zu Online-Gaming, Internetversandhandel, Musiksharing und dem Kapern von Online-Diskussionen in traditionellen journalistischen Online-Medien (Jukschat, 2022; Pfeiffer, 2016). Die Logik der Plattformen sowie die häufig wenig zuverlässige Überprüfung problematischer Inhalte durch die Plattformbetreiber sind für die extreme Rechte „eine ideale Umgebung, manipulativ-bewegende, emotionalisierte (Des-)Informationen schnell und effektiv zu verbreiten. Emotions- und angstgeladene Inhalte versprechen dabei mehr Klicks oder Likes und werden dann durch die algorithmenbasierte technische Logik der Nutzer:innenprofile auch priorisiert“ (Groß, 2024, S. 8).
Desinformation
Neben rechtsextremen Akteuren verbreiten auch zahlreiche weitere Gruppierungen aktiv, häufig unwidersprochen und teils auch unerkannt Desinformation auf Plattformen. Desinformationen (teils auch als Fake News bezeichnet) sind irreführende Informationen, die mit einer Täuschungsabsicht verbreitet werden und Personen oder Institutionen schaden sollen. Häufig gehen Desinformationskampagnen dabei von Staaten aus, um andere Staaten durch die Verbreitung gezielter Falschinformationen zu destabilisieren und zu schädigen. Dies kann sowohl durch eine Verzerrung oder Fehldarstellung tatsächlicher Fakten passieren (wenn tatsächliche Ereignisse aus dem Kontext gerissen oder Bilder gezielt bearbeitet oder verändert werden, so dass sich ihre Aussage verändert), als auch mittels frei erfundener Inhalte (Hoffmann, 2023, S. 49–50). Öffentlich breit diskutiert und wahrgenommen wurde die gesellschaftliche Bedrohung durch Desinformationen durch das Brexit-Referendum im Sommer 2016, in dem die Brit*innen für den Austritt aus der Europäischen Union votierten. Spätestens als in der Coronapandemie breite Protestbewegungen gegen die Maßnahmen zur Pandemiebekämpfung und die verschiedenen Impfstoffe aufkamen, galt das Thema der Desinformation auch in Deutschland als angekommen (Pentz, 2021). So warnt das Bundesamt für Verfassungsschutz in seinem Bericht von 2024 vor Desinformationen als zentrale Gefahr für die deutsche Demokratie und bezieht sich dabei insbesondere auf russische Desinformationskampagnen, die danach streben, „die öffentliche Meinung und den politischen Kurs in Deutschland im eigenen Sinne zu beeinflussen“ (Bundesministerium des Innern und für Heimat, 2024, S. 313).
Wie stark Desinformationen tatsächlich verbreitet sind, wie stark sie rezipiert und geteilt werden, ist nur schwer zu ergründen. Dies liegt daran, dass die meisten Plattformbetreiber unabhängige wissenschaftliche Forschung auf ihren Plattformen nicht unterstützen. In Befragungen geben 54% der Europäer und 47 % der Deutschen an, in den letzten Monaten häufig oder sehr häufig unsicher über den Wahrheitsgehalt von Informationen gewesen zu sein (nur 3% der Europäer und 2% der Deutschen waren nie unsicher). 39% der befragten Europäer und 29% der befragten Deutschen haben bewusst Desinformationen im Internet wahrgenommen (11% der Europäer und 13% der Deutschen hingegen nicht; Unzicker, 2023, S. 11). Die Erstellung von desinformativen Texten und täuschend echten (Bewegt-)Bildern, sogenannten Deepfakes, ist durch die breite Zugänglichkeit und Verfügbarkeit von Anwendungen im Bereich der Künstlichen Intelligenz stark vereinfacht worden, so dass Täuschungen auch ohne fundierte IT-Kenntnisse in kurzer Zeit massenweise erstellbar sind. Durch die leicht zu erstellenden Täuschungen und Verdrehungen von Sachverhalten im öffentlichen Diskurs kann, so die Befürchtung, eine Kultur des generellen Misstrauens entstehen, in der Un‑/Wahrheit relativ erscheint und die Informations-, Vertrauens- und Konsensfundamente von Gesellschaften erodieren (Zywietz & Ipsen, 2024). KI kann nicht nur zur Erstellung von Desinformation eingesetzt werden, sondern potenziell auch zu ihrer Detektion – teils durchaus mit Erfolg. Allerdings sind speziell bei subtilen Beeinflussungsversuchen (also der „klassischen Halbwahrheit“ anstelle der gänzlichen Lüge/Falschmeldung) KI-Modelle den Menschen noch deutlich unterlegen in der Detektion von Desinformation (Haarkötter & Anastasiadis, 2024).
Hass im Netz
Neben Desinformation gedeiht auch Hass auf Plattformen umso besser, je weniger Kontrolle die Tech-Unternehmen über die dort veröffentlichten und geteilten Inhalte ausüben (Walter et al., 2020). Mit digitalem Hass werden Inhalte und Handlungen beschrieben, die einzelne Personen oder bestimmte Personengruppen abwerten, entwürdigen und einzuschüchtern versuchen (Kompetenznetzwerk gegen Hass im Netz, 2024, S. 17). Befragungsstudien zeigen, dass etwa die Hälfte der Internetnutzenden Hass im Netz wahrgenommen hat (45%), ähnlich viele schon einmal online beleidigt wurden (49%) und jede*r Achte laut eigenen Angaben selbst schon einmal betroffen war. Hass richtet sich nach Beobachtung der Befragten in erster Linie gegen Politiker*innen, Geflüchtete sowie Menschen mit Migrationshintergrund, politisch Aktive und gegen Menschen, die ihre politische Meinung äußern. Auch Frauen und nicht binäre Personen stehen im besonderen Fokus antifeministischer und misogyner Bewegungen, die sich digital unter dem Begriff der Manosphere vernetzen (Jasser & Rothermel, 2024). Als Folge von Hass im Netz ziehen sich viele Betroffene zurück und verringern ihre Online-Aktivitäten: „Da Hass im Netz nicht alle gleichermaßen betrifft, sondern vor allem marginalisierte oder benachteiligte Gruppen, verstummen im demokratischen Diskurs im Netz vor allem deren Stimmen“(Kompetenznetzwerk gegen Hass im Netz, 2024, S. 8). Eine Mehrheit der vom Kompetenznetzwerk gegen Hass im Netz (2024, S. 25; 53) repräsentativ Befragten gibt an, dass Hassbotschaften im Internet in den letzten Jahren häufiger geworden seien (89%) und befürchtet, dass durch den digitalen Hass auch die Gewalt im Alltag zunimmt (75%).
Plattformen sind machtvolle neue Gestalter von Öffentlichkeiten geworden, auch in Deutschland. Damit haben sie alte Strukturen und Monopole ausgehebelt und neue Rollen für das Publikum geschaffen, das nicht mehr auf die Position des Empfängers festgelegt ist, sondern zunehmend auch zum Sender und Mitgestalter im öffentlichen Kommunikationsnetzwerk werden kann.
Der Empfänger als Sender
Eine der fundamentalsten Veränderungen, die mit der Digitalisierung einhergehen, ist die Veränderung der Kommunikationsrichtungen: So bedeutete Öffentlichkeit bis zur Jahrtausendwende eine Kommunikation, die im Wesentlichen die Perspektiven weniger Sprechender sehr vielen weitgehend passiven Rezipient*innen vermittelte. Beispielsweise hatten im Jahr 1998 nur 8% der Haushalte einen Internetanschluss und nur 11% ein Handy (Kahle et al., 2004, S. 1112): „Mediale Many-to-many-Kommunikation war ohne Aufwand kaum möglich; wer seine Meinung jenseits des Nahbereichs kundtun wollte, konnte einen Leserbrief verschicken, bei Veranstaltungen seine Stimme erheben oder versuchen, Inhalte in Alternativblättern unterzubringen“ (Schrape, 2022, S. 117).
Hatten also bis vor etwa zwei Jahrzehnten in erster Linie die klassischen Massenmedien bzw. die dort tätigen Journalist*innen die Entscheidungshoheit darüber, ob und welche Bürger*innenmeinungen öffentlich verhandelt wurden, haben sie dieses Monopol heute weitgehend eingebüßt (Peter & Zerback, 2021). Im Zuge der Digitalisierung haben die Rezipient*innen neue Möglichkeiten der Interaktion mit öffentlichen Informationen und Verlautbarungen bekommen. Diese Wandlung vom rein rezipierenden zum selbst mitgestaltenden Publikum wird in der Kommunikationswissenschaft auch als „Audience turn“ bezeichnet. „Wie Bürger/innen in den Medien zu Wort kommen (und vor allem wer) und welche Rolle sie dabei erfüllen, ist keineswegs trivial, da wir einen Großteil unseres Wissens darüber, wie andere Bürger/innen über ein bestimmtes Thema denken oder sich in bestimmten Situationen verhalten, aus den Medien beziehen.“ (Peter & Zerback, 2021, S. 5). Tradierte Funktionen, die die Integration von Bürger*innen in die Berichterstattung erfüllen, sind erstens die Darstellung eines Einzelnen als Repräsentant für „die Bürger*innen“ bzw. große Teile von ihnen (also als „Stimme des Volkes“), zweitens die Hervorhebung eines Einzelschicksals, das besonders detailliert und aus Sicht der Betroffenen geschildert wird und schließlich in der Funktion des Augenzeugen, der interessierende Sachverhalte beobachtet hat und diese möglichst realitätsnah wiedergeben kann (Peter & Zerback, 2021, S. 7).
Citizen Journalism
Mit der Digitalisierung ist es zunehmend möglich, dass sich Bürger*innen von diesen sehr stark fremdbestimmten Rollen lösen und selbst als Berichterstattende tätig werden. Citizen Journalism also Bürger*innenjournalismus ist ein vielverwendeter, aber nicht unumstrittener Begriff, um die neue Rolle von Nicht-Journalist*innen für die Erzeugung und Verbreitung von Neuigkeiten, Informationen und Einschätzungen zu fassen. Gemeint ist damit sowohl die Rolle von Augenzeugen, die über ihre Mobiltelefone Vorkommnisse aufzeichnen und direkt verbreiten (etwa im Fall des durch Polizeigewalt getöteten US-Amerikaners George Floyd, in dem das Handyvideo eines Augenzeugen zur Anklage und Verurteilung des gewalttätigen Polizisten führte), als auch von Aktivist*innen, die das Internet nutzen, um auf ihre Belange aufmerksam zu machen und die Öffentlichkeit direkt anzusprechen (Mutsvairo & Salgado, 2022; Walker, 2022).
In dieser Machtverschiebung hin zu der Möglichkeit auch für den „kleinen Bürger“, Missverhältnisse direkt zu thematisieren und damit potenziell eine große Öffentlichkeit zu erreichen, liegt auch eine Herausforderung. So führen eine Reihe von oft gegen Einzelpersonen gerichtete Empörungswellen vor Augen, dass dadurch eine Kultur des digitalen An-den-Prangern-Stellens begünstigt werden kann, bei der ohne polizeiliche Ermittlungen und rechtsstaatliches Verfahren Personen aufgrund vermeintlichen Fehlverhaltens zur Zielscheibe negativer Onlinekampagnen werden (Billingham & Parr, 2020; Frye, 2022). Diese als Public Shaming oder Online Shaming bezeichneten Kampagnen können an einer Vielzahl von Anlässen anknüpfen (z.B. sexuell übergriffiges Verhalten), unterschiedliche Personen oder Gruppen betreffen (etwa Privatpersonen oder Personen des öffentlichen Interesses) und aus einer Reihe von Motiven erfolgen (Wunsch nach Herstellung von Öffentlichkeit, aber auch Rachegelüste). Insgesamt hat also die Quantität öffentlicher Bürgerkommunikation durch die Digitalisierung stark zugenommen, die Qualität der Bürgerkommunikation jedoch nicht zwangsläufig (Loosen, 2023). Auch die Abhängigkeiten von zentralen Herstellern von Öffentlichkeit hat sich zwar verschoben, etwa hin zu Plattformbetreibenden, an dem grundlegenden Ungleichgewicht zwischen den zentralen Akteuren im Feld der Öffentlichkeit und dem „normalen Bürger“ hat sich gleichwohl wenig geändert (Peter & Zerback, 2021).
Politische Inszenierung
Nicht nur Bürger*innen nutzen die Öffnung des öffentlichen Kommunikationsraumes für ihre Anliegen und Interessen. Auch für politisch tätige Akteur*innen bieten sich durch die Digitalisierung breite Möglichkeiten, sich selbst zu informieren und zu inszenieren, eigene und fremde Botschaften und Inhalte zu teilen sowie sich mit anderen zu vernetzen. Die Vielfalt der Nutzungsweisen entspricht dabei der Vielfalt der Handelnden, die für sich allein (etwa als Kandidat*in für ein politisches Amt), für ihre Partei oder Organisation (etwa als Vertreter einer Klimaschutzbewegung) oder für eine Institution oder die Regierung (etwa als Bundesministerin) sprechen können (Bieber, 2021). Dadurch „eröffnen sich neue Möglichkeiten für politische PR, wenn Akteure des politischen Systems quasi-journalistische Formate anbieten, verstärkt als Sender fungieren und sich nicht mehr auf die Beobachtungs- und Transferleistungen massenmedialer Multiplikatoren verlassen“ (Bieber, 2021). Politiker*innen können ihre Botschaften direkter kommunizieren und potenziell in Interaktion mit den Wähler*innen treten und werden somit unabhängiger von medialen Gatekeeper*innen. Damit verbunden ist die sich eigenständig eine „mediale Reputation“ im digitalen Raum aufzubauen und diese aktiv zu pflegen (Birkner, 2022). Zugleich besteht das Risiko der Fehlinszenierung, der öffentlichen Misstritte und Missverständnisse, die zwischen Peinlichkeit und handfestem Skandal schwanken können (Kocks, 2024b). Auch mit Ablehnung und Hass sind politische Akteure im Netz sehr unmittelbar konfrontiert (Künast, 2021). Es bleibt abzuwarten, ob sich diese Tendenzen wie die Personalisierung und Emotionalisierung öffentlicher Diskurse im digitalen Raum weiter fortsetzen.
Das gestaltende Publikum
Nach diesem Blick auf die veränderten Rollen und Möglichkeiten für Bürger*innen und politische Akteure bleibt die Frage offen, welche Möglichkeiten und Herausforderungen der „Audience turn“ für berichterstattende Medien bzw. Journalist*innen bereithält. Eine der wichtigsten Chancen liegt darin, dass Journalist*innen eine sehr viel genauere Vorstellung von ihrem Publikum bekommen können. Prinzipiell streben alle Medien danach, ein größtmögliches Publikum zu erreichen. Vor der Digitalisierung war es jedoch nur sehr begrenzt möglich, Details über das bereits erreichte Publikum zu erfahren und noch sehr viel schwieriger, Genaueres über das nicht erreichte Publikum in Erfahrung zu bringen. So konnten Fernsehsendungen nur sehr begrenzt etwas darüber erfahren, wie ihre Sendungen von den Zuschauern wahrgenommen wurden (höchstens durch nachträgliche Befragungen). Zeitungen konnten zwar nachvollziehen, wie gut sich einzelne Ausgaben verkauften, aber welche Artikel besonders häufig gelesen, heftig kommentiert, ignoriert, mit Begeisterung oder Verärgerung zur Kenntnis genommen wurden, blieb den Medienmachenden weitgehend verborgen. Dies hat sich radikal gewandelt und damit auch die Ansprache des Publikums: „Das Publikum wird nicht länger nur als „interessierter Beobachter“ oder „mit sich selbst beschäftigender Beobachter“ angesprochen, sondern auch als „Kommentator“ und „Rezensent“ oder als „Multiplikator“ massenmedialer Angebote“ (Sutter & Wehner, 2023, S. 12). Herausgebildet haben sich zugleich neue Formen der Ansprache, wenn etwa mit persönlichen Begegnungen (z.B. Redaktionsbesuchen, Diskussionsrunden) sowie einer stärkeren Fokussierung auf individuelle Journalist*innen auch in den sozialen Medien die persönliche Bindung einzelner Mediennutzender an Medienhäuser und konkrete Medienformate gestärkt werden soll (Loosen, 2023).
Zusammenfassung
Die Öffentlichkeit ist eine für die Demokratie entscheidende Vermittlungsstruktur, die gesellschaftliche Aushandlungsprozesse über aktuelle Problemlagen, Deutungsmuster und Lösungsstrategien ermöglicht und dabei sowohl offen (gegenüber neuen Themen, Akteuren, Formaten, Technologien) als auch verlässlich (in der Wahrnehmung ihrer Funktionen) sein muss. Die Digitalisierung hat in demokratischen Öffentlichkeiten wie der deutschen eine Reihe von tiefgreifenden Transformationsprozessen in Gang gesetzt, deren Ende und Zielpunkt noch nicht absehbar sind. Festzuhalten ist, dass sich die durch die Digitalisierung ermöglichte, niedrigschwellige und weitgehend globale Vernetzung in einer ungeheuren Beschleunigung von Kommunikation und Berichterstattung niederschlägt, die auch den Journalismus stark verändert. Ein weiterer Effekt der Vernetzung und der vereinfachten Zugänglichkeit von Informationen einerseits und Werkzeugen zur Bild- und Tonaufnahme sowie Textverarbeitung andererseits ist die Vervielfältigung der Anzahl möglicher „Sender*innen“ im Kommunikationsnetzwerk der Öffentlichkeit. Dies birgt großes Potenzial für mehr Teilhabe, resultiert unter den gegenwärtigen Strukturen aber zugleich in einer Zunahme von Empörungsdiskursen, Hass und Hetze.
In diesem vielstimmigen Durcheinander liegt die Herausforderung sowohl für die Berichterstattung als auch für die Rezeption von Medien weniger darin, Informationen zu einem Sachverhalt zu finden, als vielmehr darin, die relevanten und zutreffenden Informationen aus der Flut der Mitteilungen herauszufiltern. Viel diskutierte Begriffe wie Desinformation verdeutlichen, dass die digitalen und KI-basierten Möglichkeiten der Text- und Bildgenerierung auch zur Verbreitung irreführender und schädlicher Unwahrheiten genutzt werden. Die Verbreitung von polarisierenden und emotionalisierten Inhalten steht nicht zuletzt im Zusammenhang mit den Machtverschiebungen in den Kommunikationsnetzwerken. Diese sind nicht länger dominiert von etablierten, journalistisch arbeitenden, zumeist nationalen Medienhäusern, sondern zunehmend in der Hand von global agierenden Tech-Unternehmen und ihren Plattformen, die anderen Regeln folgen als die journalistischen Medien. Die Funktionslogik der Plattformen zielt auf Aufmerksamkeitsmaximierung und Monopolisierung und nicht auf die Verifizierung bereitgestellter Inhalte oder auf eine Einhaltung journalistische Standards. Da das Ziel die Bindung von Aufmerksamkeit und Nutzungszeit der Plattform ist, werden insbesondere solche Inhalte ausgespielt, die Nutzer*innen fesseln und binden, also eher polarisierte, personalisierte und emotionalisierte Botschaften.
Aus diesen rasanten Transformationsprozessen ergeben sich fundamentale gesellschaftliche Aufgaben, die sowohl die Einhegung global agierender Technologieunternehmen umfassen, als auch die Förderung einer (Zivil-)Gesellschaft, die den Herausforderungen einer wenig überschaubaren, stark beschleunigten Informations- und Kommunikationslandschaft gewachsen ist. Vonnöten scheint darüber hinaus die Stärkung einer freien und unabhängigen Berichterstattung, die als vierte Gewalt als Kontrollinstanz, Sprachrohr unterschiedlichster Anliegen und gesellschaftliche Chronistin fungiert und damit vitale Funktionen für und in Demokratien übernimmt.
Literatur
Ackermann, J. (2021). Präsentieren, liken,teilen, kommentieren –Politik auf TikTok. Journal für politische Bildung, 11(2), 28–31. https://doi.org/10.46499/1670.1953
Andree, M. (2023). Big Tech muss weg! die Digitalkonzerne zerstören Demokratie und Wirtschaft: Wir werden sie stoppen. Campus Verlag.
ARD, & ZDF. (2023). ARD/ZDF-Onlinestudie 2023. https://www.ard-zdf-onlinestudie.de/files/2023/ARD_ZDF_Onlinestudie_2023_Publikationscharts.pdf
Beck, H., & Prinz, A. (2023). Öffentlich-rechtlicher Rundfunk unter Druck. Wirtschaftsdienst, 103(6), 400–405. https://doi.org/10.2478/wd-2023-0117
Billingham, P., & Parr, T. (2020). Enforcing social norms: The morality of public shaming. European Journal of Philosophy, 28(4), 997–1016. https://doi.org/10.1111/ejop.12543
Birkner, T. (2022). Interaktion von Medien- und Politiksystem. In I. Borucki, K. Kleinen-von Königslöw, S. Marschall, & T. Zerback (Hrsg.), Handbuch Politische Kommunikation (S. 95–109). Springer Fachmedien Wiesbaden. https://doi.org/10.1007/978-3-658-26233-4_7
Bösch, M., & Köver, C. (2021). Schluß mit lustig? TikTok als Plattform für politische Kommunikation. Rosa Luxemburg Stiftung.
Brandão, L. (2023). Neuer Tiktok-Trend: Verbieten. ..inf, das Informatik-Magazin, 2, 24–25.
Breunig, C., Handel, M., & Kessler, B. (2020). Ergebnisse der ARD/ZDF-Langzeitstudie Massenkommunikation 1964-2020: Mediennutzung im Langzeitvergleich. Media Perspektiven, 7–8, 410–432.
Bundesministerium des Innern und für Heimat. (2024). Verfassungsschutzbericht 2023. BMI. https://www.verfassungsschutz.de/SharedDocs/publikationen/DE/verfassungsschutzberichte/2024-06-18-verfassungsschutzbericht-2023.htmlhoff
Buschmann, K., Gastberger, M., & Romanin, J. (2021). Content for free?: Eine Analyse zur Zahlungsbereitschaft für Online-Nachrichten. https://doi.org/10.25598/JKM/2021-13.33
Buschow, C., & Wellbrock, C.-M. (2020). Money for nothing, content for free? – Paid Content, Plattformen und Zahlungsbereitschaft im digitalen Journalismus. In Money for nothing, content for free? (S. 11–22). Nomos.
Classen, K., Kollmer, A., Schlage, M., Schöpflin, A., Winkler, J., & Witerspan, H. (2024). Right-wing populist communication of the party AfD on TikTok: To what extend does the AfD use TikTok as part of its communication to win over young voters? In A. Godulla, C. Buller, V. Freudl, I. Merz, J. Twittenhoff, J. Winkler, & L. Zapke, The Dynamics of Digital Influence: Communication Trends in Business, Politics and Activism (S. 100–122). Universität Leipzig. https:// nbn-resolving.org/urn:nbn:de:0168-ssoar-94713-2
Elmer, C. (2022). Assistenten im Digitalen: Wo lernende Algorithmen schon heute Redaktionen unterstützen. Communicatio Socialis, 55(3), 346–352. https://doi.org/10.5771/0010-3497-2022-3-346
Frye, H. (2022). The Problem of Public Shaming. Journal of Political Philosophy, 30(2), 188–208. https://doi.org/10.1111/jopp.12252
Groß, E. (2024). Echtzeiten rechter Radikalisierung: Ein Überblick zum Erkenntnisstand rechtsgerichteter online Radikalisierung. In F. Virchow, A. Hoffstadt, C. Heß, & A. Häusler (Hrsg.), Handbuch Rechtsextremismus (S. 1–22). Springer Fachmedien Wiesbaden. https://doi.org/10.1007/978-3-658-38373-2_66-1
Haarkötter, H., & Anastasiadis, M. (2024). Im PR-Nebel stochern. Möglichkeiten und Grenzen automatischer, KI-basierter Detektion von Fake News und Desinformation in der strategischen Kommunikation mit NEBULA. In O. Hoffjann, L. Seeber, & I. Von Der Wense (Hrsg.), Strategische Wahrheiten (S. 243–262). Springer Fachmedien Wiesbaden. https://doi.org/10.1007/978-3-658-43831-9_13
Heidbrink, H., Bernhardt, C., & Hein, H. (2023). Innovative Formatentwicklung im öffentlich-rechtlichen Rundfunk. MedienWirtschaft, 20(1), 34–49. https://doi.org/10.15358/1613-0669-2023-1-34
Hoffmann, C. (2023). Fake News, Misinformation, Desinformation. Informationen zur politischen Bildung, 2(2023), 49–52.
Holtz-Bacha, C. (2024). Attacken von rechts außen. Öffentlich-rechtliche Medien als Ziel populistischer Medienfeindlichkeit. Communicatio Socialis, 57(2), Article 2. https://doi.org/10.5771/0010-3497-2024-2-159
Jackob, N., Schultz, T., Jakobs, I., Quiring, O., Schemer, C., Ziegele, M., & Viehmann, C. (2023). Medienvertrauen in Deutschland. Bundeszentrale für politische Bildung.
Jarren, O. (2024). Plattform-Regulierung als Herausforderung: Probleme und Fallstricke auf dem Weg zu einem europäischen Mehr-Ebenen-Regulierungssystem für den digitalen Medien- und Kommunikationsmarkt. In M. Prinzing, J. Seethaler, M. Eisenegger, & P. Ettinger (Hrsg.), Regulierung, Governance und Medienethik in der digitalen Gesellschaft (S. 137–160). Springer Fachmedien Wiesbaden. https://doi.org/10.1007/978-3-658-42478-7_8
Jarren, O., & Fischer, R. (2021). Die Plattformisierung von Öffentlichkeit und der Relevanzverlust des Journalismus als demokratische Herausforderung. In M. Seeliger & S. Sevignani (Hrsg.), Ein neuer Strukturwandel der Öffentlichkeit? (S. 365–382). Nomos Verlagsgesellschaft mbH & Co. KG. https://doi.org/10.5771/9783748912187-365
Jasser, G., & Rothermel, A.-K. (2024). Die Manosphere: Männlichkeit(en), Misogynie und Rechtsextremismus. In F. Virchow, A. Hoffstadt, C. Heß, & A. Häusler (Hrsg.), Handbuch Rechtsextremismus (S. 1–14). Springer Fachmedien Wiesbaden. https://doi.org/10.1007/978-3-658-38373-2_54-1
Jukschat, N. (2022). Digitale Medien als Medien der (neuen) Rechten? In B. Milbradt, A. Frank, F. Greuel, & M. Herding (Hrsg.), Handbuch Radikalisierung im Jugendalter (1. Aufl., S. 197–214). Verlag Barbara Budrich; JSTOR. http://www.jstor.org/stable/j.ctv2g590zt.14
Kahle, I., Timm, U., & Schäfer, Dieter. (2004). Internetnutzung in privaten Haushalten. WISTA – Wirtschaft und Statistik, Oktober, 1110–1124.
Karidi, M. (2018). Öffentlich-rechtlicher Rundfunk in der Schusslinie. Aus Politik und Zeitgeschichte, 68(40–41), 17–22.
Knüpfer, C., Pfetsch, B., & Heft, A. (2020). Demokratischer Wandel, dissonante Öffentlichkeit und die Herausforderungen vernetzter Kommunikationsumgebungen. In M. Oswald & I. Borucki (Hrsg.), Demokratietheorie im Zeitalter der Frühdigitalisierung (S. 83–101). Springer Fachmedien Wiesbaden. https://doi.org/10.1007/978-3-658-30997-8_5
Koch, W. (2022). Reichweiten von Social-Media-Plattformen und Messengern. Media Perspektiven, 10/2022, 471–478.
Kocks, J. N. (2024a). Günstiger Wind, unbekannter Hafen. Politische PR im Online-Zeitalter. In P. Szyszka & L. Rademacher (Hrsg.), PR-Perspektiven (S. 63–73). Springer Fachmedien Wiesbaden. https://doi.org/10.1007/978-3-658-43592-9_7
Kocks, J. N. (2024b). Günstiger Wind, unbekannter Hafen. Politische PR im Online-Zeitalter. In P. Szyszka & L. Rademacher (Hrsg.), PR-Perspektiven (S. 63–73). Springer Fachmedien Wiesbaden. https://doi.org/10.1007/978-3-658-43592-9_7
Kompetenznetzwerk gegen Hass im Netz. (2024). Lauter Hass – leiser Rückzug. Wie Hass im Netz den demokratischen Diskurs bedroht. Ergebnisse einer repräsentativen Befragung. https://kompetenznetzwerk-hass-imnetz.de/download_lauterhass.php
Künast, R. (2021). Hass im Netz. Datenschutz und Datensicherheit-DuD, 45(6), 368–370.
Kupferschmitt, T., & Müller, T. (2023). ARD/ZDF-Massenkommunikation Trends 2023: Mediennutzung im Intermediavergleich. Media Perspektiven, 21, 1–20.
Loosen, W. (2023). Journalismus – Publikum: Eine soziale Beziehung zwischen Interaktion, Organisation und Funktion. In K. Meier & C. Neuberger (Hrsg.), Journalismusforschung (S. 269–290). Nomos Verlagsgesellschaft mbH & Co. KG. https://doi.org/10.5771/9783748928522-269
Mast, C. (2018). ABC des Journalismus: Ein Handbuch. Herbert von Halem Verlag.
Meier, K., Graßl, M., Klinghardt, K., Körner, M., & Schützeneder, J. (2024). Zehn Trends, die in die Zukunft weisen. In K. Meier, M. Graßl, K. Klinghardt, M. Körner, & J. Schützeneder, Die Zukunft des Journalismus (S. 27–104). Springer Fachmedien Wiesbaden. https://doi.org/10.1007/978-3-658-46841-5_3
Müller, T. (2024). Zahl der Social-Media-Nutzenden steigt auf 60 Prozent. Media Perspektiven, 24, 1–8.
Mutsvairo, B., & Salgado, S. (2022). Is citizen journalism dead? An examination of recent developments in the field. Journalism, 23(2), 354–371. https://doi.org/10.1177/1464884920968440
Neidhardt, F. (1994). Öffentlichkeit, öffentliche Meinung, soziale Bewegungen. Kölner Zeitschrift für Soziologie und Sozialpsychologie, 1994(34), 7–41.
Newman, N., Fletcher, R., Robertson, C. T., Ross Arguedas, A., & Nielsen, R. K. (2024). Reuters Institute digital news report 2024. Reuters Institute for the Study of Journalism. https://doi.org/10.60625/RISJ-VY6N-4V57
Osing, T. (2022). Perspektiven des Onlinejournalismus. In T. Osing, Digitaler Journalismus in der Praxis (S. 235–247). Springer Fachmedien Wiesbaden. https://doi.org/10.1007/978-3-658-39105-8_18
Otto, I. (2023). TikTok: Ästhetik, Ökonomie und Mikropolitik überraschender Transformationen. Verlag Klaus Wagenbach.
Pentz, A.-C. (2021). Konfrontation mit Falschnachrichten durch Corona-Pandemie verstärkt. merz | medien + erziehung, 65(1), 5. https://doi.org/10.21240/merz/2021.1.6
Peter, C., & Zerback, T. (2021). Bürger/innen als Akteure in der politischen Kommunikation. In I. Borucki, K. Kleinen-von Königslöw, S. Marschall, & T. Zerback (Hrsg.), Handbuch Politische Kommunikation (S. 1–16). Springer Fachmedien Wiesbaden. https://doi.org/10.1007/978-3-658-26242-6_14-1
Pfeiffer, T. (2016). Gegenöffentlichkeit und Aufbruch im Netz: Welche strategischen Funktionen erfüllen Websites und Angebote im Web 2.0 für den deutschen Rechtsextremismus? In S. Braun, A. Geisler, & M. Gerster (Hrsg.), Strategien der extremen Rechten (S. 257–286). Springer Fachmedien Wiesbaden. https://doi.org/10.1007/978-3-658-01984-6_13
Ratering, J. (2022). Zwischen Geotags und Gesichtserkennung: KI in der Verifikation. Communicatio Socialis, 55(3), 360–366. https://doi.org/10.5771/0010-3497-2022-3-360
Reporter ohne Grenzen. (2024). Nahaufnahme Deutschland 2024. RSF. https://www.reporter-ohne-grenzen.de/fileadmin/Redaktion/Downloads/RSF_Nahaufnahme_Deutschland_2024.pdf
Ritzi, C. (2021). Aus dem Gleichgewicht. Zum Zustand demokratischer Öffentlichkeit. Aus Politik und Zeitgeschichte, 2021(26–27), 18–23.
Rühle, A. (2024). Was Medien(angebote) leisten: Stärken und Schwächen aus Publikumssicht. Media Perspektiven, 29, 1–14.
Schrape, J.-F. (2022). Plattformöffentlichkeit. In A. Bogner, M. Decker, M. Nentwich, & C. Scherz (Hrsg.), Digitalisierung und die Zukunft der Demokratie (S. 117–130). Nomos Verlagsgesellschaft mbH & Co. KG. https://doi.org/10.5771/9783748928928-117
Schubert, K., & Klein, M. (2020). Das Politiklexikon. (7.). Dietz.
Schützeneder, J., Graßl, M., & Meier, K. (2024). Grenzen überwinden, Chancen gestalten: KI im journalistischen Newsroom : Bestandsaufnahme, Perspektiven und Empfehlungen für Journalismus und Politik. Friedrich-Ebert-Stiftung.
Sehl, A. (2024). Öffentlich-rechtlicher Rundfunk unter Reformdruck. Herausforderungen durch Digitalisierung und gesellschaftlichen Wandel. Communicatio Socialis, 57(2), Article 2. https://doi.org/10.5771/0010-3497-2024-2-141
Sutter, T., & Wehner, J. (2023). Das sichtbare Publikum?: Publikumsbeziehungen der Massenmedien im digitalen Wandel. In F. Muhle, T. Sutter, & J. Wehner (Hrsg.), Das sichtbare Publikum? (S. 1–29). Springer Fachmedien Wiesbaden. https://doi.org/10.1007/978-3-658-41172-5_1
Theine, H., Tröger, M., & Sevignani, S. (2023). Wer beherrscht die Medien? Zur Einfassung des Journalismus durch Technologiekonzerne. In J. Legrand, B. Linden, & H.-J. Arlt (Hrsg.), Welche Öffentlichkeit brauchen wir? (S. 21–34). Springer Fachmedien Wiesbaden. https://doi.org/10.1007/978-3-658-39629-9_3
Thorsen, E. (2020). Citizen journalism. In M. Baker, B. B. Blaagaard, H. Jones, & L. Pérez-González, The Routledge Encyclopedia of Citizen Media (1. Aufl., S. 43–48). Routledge. https://doi.org/10.4324/9781315619811-8
Unzicker, K. (2023). Desinformation: Herausforderung für die Demokratie: Einstellungen und Wahrnehmungen in Europa. Bertelsmann-Stiftung. https://www.bertelsmann-stiftung.de/doi/10.11586/2023043
Walker, D. (2022). “There’s a Camera Everywhere”: How Citizen Journalists, Cellphones, and Technology Shape Coverage of Police Shootings. Journalism Practice, 16(10), 2022–2039. https://doi.org/10.1080/17512786.2021.1884990
Walter, N., Cohen, J., Holbert, R. L., & Morag, Y. (2020). Fact-Checking: A Meta-Analysis of What Works and for Whom. Political Communication, 37(3), 350–375. https://doi.org/10.1080/10584609.2019.1668894
Wolf, C. (2024). Journalismus und künstliche Intelligenz aus kommunikationswissenschaftlicher Perspektive: Chancen und Herausforderungen. In G. Hooffacker, W. Kenntemich, & U. Kulisch (Hrsg.), Neue Plattformen – neue Öffentlichkeiten (S. 9–29). Springer Fachmedien Wiesbaden. https://doi.org/10.1007/978-3-658-44659-8_2
Zywietz, B., & Ipsen, F. (2024). Grenzen der Unwahrheit: Falsche Fakten, Irreführung und Fakes im Kontext von Meinungsfreiheit und Künstlicher Intelligenz. In B. Zywietz & K. Erlemann (Hrsg.), Was sollen wir glauben? (S. 85–131). Springer Fachmedien Wiesbaden. https://doi.org/10.1007/978-3-658-45485-2_4
Prof. Dr. Alma Kolleck
ist seit Oktober 2024 Forschungsprofessorin an der Technischen Hochschule Würzburg Schweinfurt (THWS) in der Fakultät für angewandte Sozialwissenschaften. Zuvor war sie Gastprofessorin für Sozialwissenschaften mit Schwerpunkt “Technik und Gesellschaft” an der Berliner Hochschule für Technik (BHT).
E-Mail: alma.kolleck@thws.de