1. E-Books Grundlagen

1E-Books gibt es in verschiedenen Formaten (Dateiformaten). Wenn man die Liste verfĂŒgbarer E-Books-Formate betrachtet, fĂ€llt auf, dass auch Formate wie Word (.doc, .docx) oder Text (.rtf, .txt) oder auch die Web-Auszeichnungssprache HTML dazu gezĂ€hlt werden können. Auf diese fĂŒr E-Books ungeeignete Formate gehe ich hier nicht nĂ€her ein, sondern behandle nur die gĂ€ngigen E-Books-Formate im engeren Sinn: EPUB, Mobi/AZW und PDF.

2Die Formate mit ihren jeweiligen Funktionen sind die Grundlage fĂŒr die verschiedenen Erscheinungsformen von E-Books. FĂŒr die Nutzung ist relevant, dass diese Formate sowohl offen wie auch eingeschrĂ€nkt nutzbar sein können. Der technische Schutz erfolgt ĂŒber ein sog. Digital Rights Management (DRM), das in einem nĂ€chsten Kapitel speziell behandelt wird.

3Herausgebildet haben sich diese E-Book-Formate schon frĂŒh mit dem Aufkommen kleiner Displays zum Lesen von Texten und dem World Wide Web. Schon die in den spĂ€ten 1990er Jahren und bis zum Durchbruch der Smartphones weit verbreiteten Personal Digital Assistents (PDAs, wie z.B. der Palm) boten die Möglichkeit, E-Books in speziellen Formaten (u.a. Mobipocket) zu lesen, die auf Webtechnologien basierten.

4Im Wissenschaftsbereich etablierte sich das PDF als gĂ€ngiges Format fĂŒr die Artikel in elektronischen Zeitschriften neben rein webbasierten Publikationen im HTML-Format. Das PDF bietet fĂŒr wissenschaftliche Inhalte und namentlich die ZitierfĂ€higkeit einige Vorteile. Das Konzept wurde dann fĂŒr die E-Books ĂŒbernommen. Somit dominieren je nach Einsatzbereich unterschiedliche E-Books-Formate: EPUB und AZW (Amazon) im Publikumsbereich (Belletristik, SachbĂŒcher/Ratgeber) und PDF im Wissenschaftsbereich. Zudem unterscheiden sich die Methoden der ZugriffsbeschrĂ€nkung in diesen beiden Bereichen: Digital Rights Management im Publikumsbereich, Zugriffskontrolle im Wissenschaftsbereich. Mehr dazu in den folgenden Kapiteln.

1.3.1 E-Books im Format EPUB 2

5EPUB (Akronym fĂŒr electronic publication) ist ein offener Standard fĂŒr E-Books des International Digital Publishing Forum (IDPF). Es wurde 2007 erstmals standardisiert und löste den VorgĂ€nger Open eBook Publication Structure (OEB) ab. Im Juni 2014 wurde EPUB 2 von der neuen Version EPUB 3 abgelöst und wird nicht mehr aktiv unterstĂŒtzt. Trotzdem werden noch viele E-Books im alten Standard produziert, weshalb er hier ausfĂŒhrlich beschrieben wird. EPUB 3 bietet zahlreiche grundsĂ€tzliche Neuerungen, die in einem nĂ€chsten Abschnitt behandelt werden.

GrundsÀtzliches

6EPUB basiert auf Webtechnologien und verhĂ€lt sich somit Ă€hnlich wie eine Website. Vereinfacht gesagt: Die einzelnen Kapitel bilden Webseiten, die als einzelne ZIP-Datei auf ein LesegerĂ€t geladen und mit Hilfe geeigneter Software geöffnet werden kann. Wie bei einer Webseite ist der Satzspiegel flexibel und passt sich dynamisch am Bildschirm an. Es können Grafiken in den Formaten JPEG, PNG und GIF integriert werden. Es gibt keinen festen Seitenumbruch, was wiederum fĂŒr die wissenschaftliche Nutzung und die eindeutige Zitierung Schwierigkeiten bereitet. Da das Seitenende nicht festgelegt ist, werden statt Fussnoten Endnoten eingesetzt. Durch seine Eigenschaften ist das Format EPUB ideal fĂŒr die Verwendung auf GerĂ€ten mit kleinen Bildschirmen. In der Version 2 waren multimediale Inhalte (ausser ĂŒber das DAISY-Format fĂŒr HörbĂŒcher) nicht im Standard vorgesehen. Problematisch ist die Darstellung von Formeln (sie mĂŒssen als Bilder integriert werden) und von komplexen Tabellen, wobei letzteres vor allem mit der beschrĂ€nkten Darstellung auf kleinen Bildschirmen zu tun hat. Bei der Produktion eines E-Book im Format EPUB ist es vorteilhaft, Bilder und Tabellen auf eine Seitenbreite von 600 Pixeln zu reduzieren (und 800 Pixel in der Höhe). Dies im Hinblick auf die Nutzung auf einem E-Reader mit beschrĂ€nkter Bildschirmgrösse und Auflösung.

7Das E-Book im Format EPUB 2 lĂ€sst sich mit vielen verschiedenen LesegerĂ€ten und Softwares nutzen. Ein offenes EPUB (ohne DRM) kann praktisch auf allen Plattformen gelesen werden – ausser auf Kindles. Wobei sich ein offenes EPUB leicht in ein Kindle-taugliches Format konvertieren lĂ€sst.[1] Dazu eignet sich die offene Software Calibre (https://calibre-ebook.com) ausgezeichnet.

E-Book im Format EPUB 2
Screenshot: E-Book im Format EPUB 2 in der App iBooks auf einem iPad

8Im LesegerĂ€t kann man zum Beispiel die Schriftgrösse, die Hintergrundfarbe sowie die Schrifttype wĂ€hlen. In der linken HĂ€lfte des abgebildeten E-Books ist das Inhaltsverzeichnis eingeblendet. Die verfĂŒgbaren Funktionen und Möglichkeiten hĂ€ngen von der verwendeten Soft- und Hardware ab.

Technischer Hintergrund

9Die Spezifikation von EPUB 2 gliedert sich in drei Teile, die unterschiedliche Bereiche definieren (vgl. Spezifikation des IDPF):

  • Die Struktur der eigentlichen Inhalte (OPS)
  • Das Paketformat (OPF)
  • Die Struktur des Archivs (OCF)

10Der EPUB-Standard basiert auf einer Anzahl freier Standards. In Version 2 sind dies hauptsĂ€chlich XMLXHTMLDTBookSVGCSSDublin Core und Zip. Zudem sind die Grafikformate PNGJPEG/JFIF und GIF Teil der Spezifikation.

EPUB in der Software SIGIL
Screenshot aus einem E-Book im Format EPUB in der Software SIGIL

11Am gezeigten Beispiel erkennt man links im “Book Browser” von SIGIL die verschiedenen Elemente, u.a. einen Ordner fĂŒr die Textseiten, fĂŒr Bilder und mehr sowie das Inhaltsverzeichnis (toc.ncx) und die Dateistruktur (content.opf). Im Editor ist eine HTML-Datei zu erkennen mit Überschriften (<h2>), mit Textparagraphen und einem in die Seite integrierten Bild im Format PNG (gelb markiert). Es sind zudem verlinkte Endnoten zu erkennen (<a href=”#_edn3″>[3]</a>).

EPUB in SIGIL
Screenshot aus E-Book in SIGIL im WYSIWYG-Modus

12Hier sieht man in SIGIL die Ansicht desselben Ausschnitts: Das Bild ist hier intergriert, die Links gekennzeichnet, die Überschrift ausgezeichnet. Und links im Browser erkennt man den geöffneten Ordner mit den Textseiten – fĂŒr jedes Kapitel im E-Book ist eine HTML-Seite angelegt.

13Aus bibliothekarischer Sicht interessant ist der Aspekt, dass auch Dublin Core Teil des Standards EPUB ist. Dublin Core definiert eine Reihe von Metadaten, mit deren Hilfe ein E-Book beschrieben werden kann. Und die LesegerĂ€te können diese Metadaten nutzen fĂŒr die Darstellung und Ordnung der E-Books als Sammlung.

Metadaten in SIGIL
Metadateneditor in SIGIL mit den Attributen nach Dublin Core

14Ein weiteres wichtiges Element des EPUB-Formats ist das Inhaltsverzeichnis (NCX). Das Inhaltsverzeichnis wird separat erstellt und dient dann im LesegerĂ€t zur Navigation. Wobei jede Software und jedes GerĂ€t die Darstellung etwas anders interpretieren kann – aber dazu spĂ€ter mehr. Bei der Produktion lĂ€sst sich festlegen, welche Ebenen der Überschriften ins Inhaltsverzeichnis ĂŒbernommen werden sollen.

EPUB mit Inhaltsverzeichnis
Screenshot aus SIGIL mit der geöffneten Datei toc.ncx und dem Inhaltsverzeichnis im XML-Format sowie dem Editor-Fenster

15Die Gestaltung des E-Books erfolgt ĂŒber die Webtechnologie CSS (Cascading Style Sheets). Wie bei einer Webseite wird somit das Layout generell ĂŒber eine zentrale Datei gesteuert, in der z.B. die verwendete Schrift, die Textgrösse der verschiedenen Überschriften, die Textfarbe, die EinrĂŒckung bei Zitatblöcken und vieles mehr definiert sind.

SIGIL mit CSS-Datei
Screenshot aus SIGIL mit einer CSS-Datei

1.3.2 E-Books im Format EPUB 3

GrundsÀtzliches

1EPUB 3 ist mehr als eine Weiterentwicklung der Version 2 und bietet einige weitreichende neuen FunktionalitĂ€ten. Seit 2014 ist EPUB der aktuelle Standard, der anfangs 2017 in der Version 3.1 publiziert wurde. In der Praxis hat er sich in seiner vollen FunktionalitĂ€t aber noch nicht wirklich durchgesetzt. Dies zeigt auch die Übersicht ĂŒber die gĂ€ngigen Reader (EPUBTest, englisch) und ihre UnterstĂŒtzung von EPUB 3. Es fĂ€llt auf, dass kaum eine Soft- oder Hardware die speziellen Funktionen zuverlĂ€ssig umsetzen kann. Wobei ein EPUB 3 nicht zwingend ein multimediales und interaktives E-Books sein muss. Auch ein E-Book in der ersten Erscheinungsform mit Text und Bild kann sehr wohl im Format EPUB 3 publiziert werden.

2Neu basieren die Inhaltsseiten eines E-Books in EPUB 3 auf dem Web-Standard HTML5. Damit verknĂŒpft sind auch verschiedene Multimedia-Formate fĂŒr Video und Ton. Mit den Media Overlays wird ermöglicht, dass gesprochener Ton mit dem Text verknĂŒpft wird und somit synchron abgespielt bzw. angezeigt werden kann. Es sind sogenannte Text-to-Speech-Funktionen integriert, was unter anderem fĂŒr barrierefreie E-Books wichtig ist. Zudem kommt SVG zum Einsatz, ein Format fĂŒr skalierbare Vektorgrafiken, das auch InteraktivitĂ€t erlaubt. So können zum Beispiel interaktive Karten oder auf dem Bildschirm verschiebbare grafische Elemente integriert werden. Damit bietet EPUB 3 eine ausgezeichnete Grundlage fĂŒr interaktive, multimediale (sog. Enhanced) E-Books. Weiter wird MathML fĂŒr die Darstellung von mathematischen Formeln unterstĂŒtzt. In der Kombination all dieser Elemente ist EPUB 3 ein ideales Format fĂŒr digitale LehrbĂŒcher, da beispielsweise auch Multiple-Choice-Tests integriert werden können.

3Bei all diesen Vorteilen stellt sich die Frage, weshalb EPUB 3 zwei Jahre nach seiner Veröffentlichung als Standard noch nicht weiter verbreitet ist. Ein Problem wurde oben schon angesprochen: die vielen Möglichkeiten und Varianten (nur schon im Rahmen von HTML5) erschweren es den LesegerĂ€ten, die Inhalte zuverlĂ€ssig darzustellen. Es muss bedacht werden, dass ein Ă€lterer E-Reader ein komplexes E-Book im Format EPUB 3 nicht darstellen kann, weil er möglicherweise nur schon das Inhaltsverzeichnis nicht auslesen kann. Zudem können die auf E-Ink basierenden E-Reader keine Videos darstellen und die meisten heutigen Modelle nicht einmal mehr Ton ausgeben. Insofern muss sich ein Verlag ĂŒberlegen, ob er den komplizierten Weg ĂŒber EPUB 3 wirklich gehen will oder nicht lieber ein einfaches EPUB 2 veröffentlichen will. Die andere Problematik stellt die Produktion von EPUB 3 dar. WĂ€hrend es fĂŒr EPUB 2 viele Tools gibt, die einfach zu nutzen sind, stellt ein EPUB 3 viel grössere Herausforderungen. Besonders die interaktiven Elemente mĂŒssen aufwĂ€ndig programmiert werden (mit Hilfe von Javascript oder SVG). Mehr dazu spĂ€ter im Kapitel zur Produktion von E-Books.

Technischer Hintergrund

4Wer sich fĂŒr die technischen Details interessiert, sei hier auf die Spezifikation des IDPF verwiesen. EPUB 3 besteht aus vier Spezifikationen, die jede eine wichtige Komponente einer EPUB-Publikation darstellt:

  • EPUB Packages (in Version 3.0 hiess es noch Publications) definiert die Semantik und die ĂŒbergreifenden Anforderungen an das E-Book,
  • EPUB Content Documents definiert die Profile von XHTML, SVG und CSS,
  • EPUB Open Container Format (OCF) definiert ein Dokumentformat und Verarbeitungsmodell zum Verkapseln der Ressourcen in ein einziges File (ZIP) als EPUB Container,
  • EPUB Media Overlays definiert ein Format und Verarbeitungsmodell fĂŒr die Synchronisation von Text und Audio.

5Folgende Tabelle zeigt die Änderungen in der Struktur von EPUB 2 zu EPUB 3. Gewisse Elemente wurden neu gestaltet und umbenannt, andere komplett neu eingefĂŒhrt (vgl. IDPF – EPUB 3 Changes from EPUB 2.0.1). Kleinere Änderungen gab es von der Version 3.0 zu 3.1.[2]

Area EPUB 3 Specification EPUB 2.0.1 Specification
Publication-level Specification & Package Docs EPUB Packages 3.1 Open Packaging Format 2.0.1
Content-level Specification EPUB Content Documents 3.1 Open Publication Structure 2.0.1
EPUB Navigation Documents EPUB Content Documents 3.1 N/A (NCX referenced as DAISY specification)
Media Overlays EPUB Media Overlays 3.1 N/A
Container packaging EPUB Open Container Format 3.1 Open Container Format 2.0.1

EPUB 3 mit fixem Layout

6EPUB 3 enthĂ€lt Metadaten, die es erlauben Dokumente mit einem fixen Layout in XHTML darzustellen, zusĂ€tzlich zu den Funktionen und Möglichkeiten von SVG. Diese Metadaten geben das Format der Seite an (Höhe, Breite) und erlauben es die einzelnen Elemente absolut im Canvas-Element[3] zu platzieren.

7EPUB 3 hat ein grosses Potenzial fĂŒr “schön” gestaltete E-Books und wird entsprechend in BilderbĂŒchern eingesetzt oder auch fĂŒr grafisch gestaltete Zeitschriften und Magazine. FĂŒr die Nutzung auf GerĂ€ten mit kleinem Bildschirm drĂ€ngt sich jedoch das flexible Layout auf.

1.3.3 E-Books im Format Mobipocket

1Mobipocket (.mobi) wurde fĂŒr die Darstellung von Texten auf Handhelds entwickelt und kam schon auf Organizern wie Palm zum Einsatz. Es entspricht dem Open eBook-Standard und diente als plattformĂŒbergreifendes Format. Technisch gesehen ist das Format eng mit dem EPUB verwandt (welches seinerseits eine standardisierte Weiterentwicklung des Open eBook-Formats ist). Es wurde vom mittlerweile vom Markt verschwundenen E-Reader iRex unterstĂŒtzt, und vor allem auch vom Kindle. Amazon kaufte die Firma Mobipocket 2005 und setzt fĂŒr seine E-Books das Format in leicht abgewandelter Form AZW mit eigenem DRM ein.[4] Das Format Mobipocket wird als solches nicht mehr weiter entwickelt, Amazon setzt auf die proprietĂ€re Version. E-Books im Format Mobipocket (ohne DRM) lassen sich mit der Software Kindle auf vielen Plattformen lesen, so auch mit der App Kindle auf dem iPad oder mit einem Reader fĂŒr den Browser (Kindle Cloud Reader). Die verschiedenen GerĂ€te (oder die App) werden auf die persönliche Amazon-ID registriert, womit sie fĂŒr die Wiedergabe der mit dieser ID gekauften E-Books zugelassen sind (mehr dazu im nĂ€chsten Kapitel zu DRM).

2Mit Hilfe der Software Mobipocket Creator oder mit Calibre kann das Format (ohne DRM) selbst produziert werden. Damit können auch E-Books im Format EPUB konvertiert werden, damit sie auf einem Kindle lesbar werden – sofern die Ursprungsdatei nicht mittels DRM geschĂŒtzt ist (bzw. das DRM entfernt worden ist). Amazon bietet mit der Software Kindle Gen ebenfalls ein Tool zur Produktion des Formats in der Variante .azw an.

3Analog zu EPUB hat Amazon das Format weiterentwickelt. KF8 (Kindle Format 8) oder auch .azw3 bietet ganz Ă€hnliche Funktionen wie EPUB 3. Es wurde zusammen mit dem Tablet Kindle Fire im Jahr 2012 lanciert. Wie EPUB 3 basiert es auf HTML5 und CSS3, unterstĂŒtzt SVG und bietet neben MultimedialitĂ€t auch die Möglichkeit des fixen Layouts.

4Kindle Format 8 is Amazon’s next generation file format offering a wide range of new features and enhancements – including HTML5 and CSS3 support that publishers can use to create all types of books. KF8 adds over 150 new formatting capabilities, including drop caps, numbered lists, fixed layouts, nested tables, callouts, sidebars and Scalable Vector Graphics – opening up more opportunities to create Kindle books that readers will love. (www.amazon.com/gp/feature.html?docId=1000729511)

5Im Prinzip sind EPUB 3, Apples Format ibooks sowie Amazons azw3 sehr Ă€hnliche Formate, die auf praktisch denselben Technologien basieren. Die proprietĂ€ren Formate .ibooks und .azw3 mit jeweils eigenem DRM bewirken jedoch, dass die E-Books nur auf der Hard- und/oder Software von Apple oder Amazon genutzt werden können. Diese ExklusivitĂ€t ist gewollt. Die GeschĂ€ftsbedingungen der beiden Firmen wollen auch juristisch verhindern, dass ein Nutzer die E-Books konvertiert und auf anderen GerĂ€ten nutzen kann. Technisch ist dies jedoch möglich – und zumindest gemĂ€ss aktuellem Urheberrecht in der Schweiz fĂŒr den privaten Gebrauch auch zulĂ€ssig.

1.3.4 E-Books im Format PDF

GrundsÀtzliches

1Das PDF-Format (Portable Document Format) gilt als ein flexibles, plattform- und anwen­dungsĂŒbergreifendes Dateiformat. Das Konzept des PDF basiert auf der Idee, dass der gedruckte Inhalt in einem elektronischen Dokument dargestellt wird. Sein Vorteil besteht darin, dass die Inhalte auf allen Plattformen identisch (und wie in der Produktion festgelegt) dargestellt werden. Somit werden der Seitenumbruch, die Schriften, die Anordnung der Bilder, Tabellen etc. genauso dargestellt wie in der gedruckten Version. Das PDF-Format eignet sich vor allem fĂŒr die Erscheinungsform von E-Books mit Bild und Text. DarĂŒber hinaus können PDF-Dateien elektronische Such- und Navigationsfunktionen, wie z. B. Links, enthalten. Mehr dazu im ausfĂŒhrlichen Artikel in Wikipedia. Im Vergleich zu anderen E-Book-Formaten verfĂŒgt das PDF ĂŒber weniger spezifische E-Book-Funktionen.

2PDF-Dokumente sind nicht fĂŒr die Nutzung auf kleinen Bildschirmen optimiert. Im Wissenschaftsbereich werden Artikel aus elektronischen Zeitschriften am PC gelesen oder (sogar) ausgedruckt und auf Papier gelesen und bearbeitet (sofern sie ohne DRM bereitgestellt werden). Tablets bieten ebenfalls gute Möglichkeiten und ĂŒber entsprechende Apps auch nĂŒtzliche Funktionen zum Lesen und Bearbeiten von PDF-Dokumenten.

3Beim Wikipedia-Eintrag zu E-Books mit festem Seitenlayout heisst es fĂ€lschlicherweise:

“Bis vor wenigen Jahren kam dafĂŒr noch das PDF Format zum Einsatz. Dieses wurde aber mittlerweile fast vollstĂ€ndig vom EPUB-Standard fĂŒr festes Seitenlayout bzw. dem ebenfalls auf EPUB basierenden Apple Multi-Touch Format abgelöst.”

Tatsache ist, dass im Wissenschaftsbereich nach wie vor das PDF das gĂ€ngige Format ist. Die oben zitierte Aussage mag fĂŒr populĂ€re E-Books (SachbĂŒcher oder BilderbĂŒcher) gelten, aber nicht fĂŒr wissenschaftliche E-Books.

Technischer Hintergrund

4UrsprĂŒnglich handelte es sich um ein proprietĂ€res Da­teiformat der Firma Adobe. Die auf dem PostScript-Belichtungsmodell basierenden PDF-Dateien zeigen Schriften, Seitenlayouts, Vektor- und Bitmap-Grafiken exakt an und erhalten diese. Somit entspricht ein PDF-Dokument eigentlich der Druckausgabe eines Dokuments, was im Hinblick auf die Nutzung als E-Book von Bedeutung ist.

5ZunĂ€chst konnten Pdf-Files nur mit Hilfe der firmeneigenen Software Adobe Acrobat verwendet werden. Die Produktion war zudem kostenpflichtig – ich erinnere mich noch an sog. “Dongles”, die so um das Jahr 1997 am PC angeschlossen werden mussten und die Herstellung einer bestimmten Anzahl PDFs erlaubten. Die Spezifikationen des Formats wurden jedoch schon 1993 veröffentlicht. Anfang 2007 brachte es Adobe in den Standardisierungsprozess der ISO ein, und mit der Veröffentlichung 2008 wurde PDF in Version 1.7 als ISO 32000-1:2008 ein offener Standard. Somit kann PDF mit allen möglichen auch kostenlosen Tools erstellt werden (zum Beispiel direkt ĂŒber die Druckausgabe oder mit Hilfe von PDFCreator oder Open Office).

6Eine Weiterentwicklung des PDF stellt das PDF/A dar, das speziell im Hinblick auf die Langzeitarchivierung kreiert wurde. Genauer gesagt, handelt es sich beim PDF/A um ein herkömmliches PDF, das genau definierte Anforderungen erfĂŒllt. Beim PDF/A ist zum Beispiel festgelegt, dass alle Elemente im Dokument selbst enthalten sein mĂŒssen. Es sind also keine Referenzen auf externe Dokumente oder Bilder erlaubt. Alle Schriften mĂŒssen eingebettet sein, damit ein Dokument auch ohne die bei der Herstellung verwendeten SchriftsĂ€tze gelesen werden kann. Videos dĂŒrfen nicht enthalten sein.

PDF als Format fĂŒr wissenschaftliche E-Books

7Es ist nicht unumstritten, die Dokumente im PDF-Format als E-Books zu bezeichnen. NatĂŒrlich ist nicht jedes PDF-Dokument ein E-Book. Wenn wir unsere Definition von E-Books anwenden, sind nur Monographien gemeint, die in elektronischer Form mit Funktionen fĂŒr die Nutzung auf elektronischen LesegerĂ€ten veröffentlicht werden. Es ist nicht unschwer zu erkennen, dass sich das Format zunĂ€chst bei den Elektronischen Zeitschriften etabliert hat. Die in den 1990er Jahren aufkommenden elektronischen Zeitschriften wurden zunĂ€chst meist im Format HTML als einfache Webseiten veröffentlicht. SpĂ€ter wurde das PDF immer wichtiger, vor allem wegen seiner FĂ€higkeit, die Inhalte auf allen Betriebssystemen und GerĂ€ten im ursprĂŒnglichen und einheitlichen Layout darzustellen. Die Druckausgabe des Dokuments wird in ein digitales Dokument umgeleitet, und damit entspricht die elektronische Version exakt der gedruckten Fassung.[5] Das war gerade fĂŒr die ZitierfĂ€higkeit der elektronischen Variante von grossem Vorteil. Aber auch fĂŒr die Darstellung mathematischer Formeln eignet sich das Format ausgezeichnet.

8Ich interpretiere die folgende Entwicklung so, dass die Verlage die fĂŒr die Produktion von E-Journals aufgebauten und etablierten Plattformen dann auch fĂŒr die Herstellung von E-Books einsetzten. Das fĂŒhrte zu der aus Nutzersicht suboptimalen Angleichung der E-Books an die E-Journals. Das GeschĂ€ftsmodell der E-Journals wurde auf die E-Books ĂŒbertragen. Noch 2016 werden die meisten wissenschaftlichen E-Books so veröffentlicht wie ein elektronisches Zeitschriftenheft: statt der einzelnen Artikel im Heft werden die einzelnen Kapitel des Buches als ein PDF-Dokument zum Download angeboten. Was bei der Zeitschrift mit abgeschlossenen einzelnen BeitrĂ€gen durchaus Sinn macht, ist bei einer Monographie unsinnig.[6] Einerseits entspricht diese Aufsplitterung in einzelne Kapitel nicht der Intention der Autoren.[7] Möglicherweise wird ein Kapitel aus dem Zusammenhang gerissen und ohne die Einleitung und allfĂ€llige Relativierung in einem Vor- oder Folgekapitel gelesen. Andererseits macht auch das von den E-Journals ĂŒbernommene Kostenmodell, der Kauf eines einzelnen Kapitels (analog zum Kauf eines einzelnen Zeitschriftenartikels) keinen Sinn.

E-Book auf der Plattform von De Gruyter
Screenshot der Plattform DeGruyter mit der Auswahl der Kapitel

9Als Beispiel die E-Book-Version meiner Publikation zum Thema Innovationsmanagement in Bibliotheken: Jedes einzelne Kapitel (auch das Inhaltsverzeichnis oder das Abbildungsverzeichnis) wird als separates PDF-Dokument zum Download angeboten – wobei der Zugang zum Abbildungsverzeichnis wie fĂŒr jedes Kapitel € 30.- kostet (oder 49.95 € fĂŒr das ganze Buch). Zum selben Preis gibt es das Werk auch komplett als EPUB-Version, was eine begrĂŒssenswerte jĂŒngere Entwicklung ist. Es ist klar, dass in der Regel die Bibliotheken den Zugang fĂŒr die Angehörigen ihrer Hochschule erwerben und somit die Preisfrage fĂŒr den Endnutzer nicht relevant sein dĂŒrfte. Allerdings bleibt die Aufteilung in einzelne Kapitel weiter bestehen.

10Nach langem DrĂ€ngen von Nutzerinnen und Nutzern und auch aus den Reihen der Bibliothekarinnen und Bibliothekare sind einzelne Verlage in den letzten Jahren dazu ĂŒbergegangen, die E-Books auch als komplettes Dokument im PDF-Format und teilweise auch im Format EPUB anzubieten.

Komplettes Buch als PDF bei Springer
E-Books mit Download als komplettes PDF-Dokument bei Springer

11Die PDF-Dokumente entsprechen in der Grösse dem gedruckten Heft oder dem gedruckten Buch. Das bedeutet, dass die Seiten fĂŒr einen kleinen Bildschirm (also beim Smartphone oder E-Reader) zu gross sind und der Inhalt schlecht lesbar ist.

PDF auf iPhone
Screenshot eines PDF-Kapitels vom iPhone 6 in der Anwendung iBooks

12Unter dem Strich kann festgehalten werden, dass die beiden unterschiedlichen AnsĂ€tze – EPUB als spezifisches E-Book-Format und PDF als digitale Version des gedruckten Originals – ihre Vor- und Nachteile haben. Aus Nutzersicht ist es wĂŒnschenswert, dass beide Versionen angeboten werden, damit je nach Verwendungszweck das geeignete Format gewĂ€hlt werden kann. Aus Nutzersicht mĂŒssten die GeschĂ€ftsmodelle und Preise angepasst werden, wobei wir spĂ€ter noch auf diese Problematik eingehen werden. Ihren vollen Funktionsumfang entfalten die E-Book-Formate nur, wenn sie ohne technische EinschrĂ€nkungen (v.a. durch DRM) angeboten werden.


  1. Ein EPUB mit DRM lĂ€sst sich jedoch nicht ohne Umgehen des Kopierschutzes konvertieren. ↔
  2. http://www.idpf.org/epub/31/spec/epub-changes.html#sec-diff-intro-history ↔
  3. https://de.wikipedia.org/wiki/Canvas_(HTML-Element) ↔
  4. Heute wird auch die Website www.mobipocket.com nicht mehr betrieben. ↔
  5. Kommentar von Tina Grahl: Diesen Punkt sehe ich im ĂŒbrigen als Problem. Denn als Nutzer habe ich nie 100%-ige Gewissheit, dass das E-Book wirklich der Druckausgabe entspricht. Ich muss hier dem Verlag vertrauen. FĂŒr NutzerInnen ist diese Frage oft ein Problem, denn "Wo sehe ich denn, dass E-Book und Printbuch identisch sind?" ↔
  6. Kommentar von Tina Grahl: Von Lehrenden haben wir die RĂŒckmeldung bekommen, dass sie lieber auf ein Kapitel als auf das ganze E-Book (z.B. im LMS wie Moodle) verlinken. Sie wĂŒnschen sich sogar die Funktion seitengenau verlinken zu können. Auch Studierende nutzen E-Books kapitelweise. ↔
  7. Ich verweise hier auf die Ă€hnliche Diskussion im Bereich der elektronischen Musik: Interpreten wehrten sich dagegen, dass ihre mit Bedacht zusammengestellten Alben aufgesplittet und alle Songs einzeln gekauft werden konnten. ↔

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E-Books: Grundlagen und Praxis Copyright © 2017 by Rudolf Mumenthaler - Creative Commons CC-BY is licensed under a Creative Commons Nammensnennung 4.0 International, except where otherwise noted.

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